In Gerbstedt, Sachsen-Anhalt, hat wpd einen 54-Megawatt-Solarpark auf 53 Hektar mit rund 86.000 Modulen in Betrieb genommen. Die Anlage teilt sich den Netzanschluss mit einem bestehenden 26,4-Megawatt-Windpark. Netzbetreiber Mitnetz hat das hybride Konzept genehmigt. Ein Parkregler überwacht die kombinierte Einspeisung; der Windpark hat Einspeisevorrang. Der Solarstrom wird per PPA an einen Industrieabnehmer verkauft. Die Gemeinde Gerbstedt erhält jährlich knapp 90.000 Euro. Die Fläche wird weiterhin beweidet. Inbetriebnahme: November 2025. Vom Aufstellungsbeschluss 2021 bis zur Einweihung vergingen vier Jahre.
Hybridpark Gerbstedt: 54 Megawatt Photovoltaik teilen sich den Netzanschluss mit Windpark
In Gerbstedt im Landkreis Mansfeld-Südharz in Sachsen-Anhalt hat der Energieprojektentwickler wpd einen Solarpark mit 54 Megawatt Leistung in Betrieb genommen. Die Anlage teilt sich den bestehenden Netzanschluss mit einem benachbarten Windpark mit 26,4 Megawatt. Dieses hybride Netzanschlusskonzept reduziert die Gesamtkosten des Projekts und gilt als Beispiel für eine effiziente Nutzung vorhandener Netzinfrastruktur.
Auf rund 53 Hektar hat wpd etwa 86.000 Solarmodule installiert. Der erzeugte Gleichstrom wird von zwölf Zentralwechselrichter-Stationen in Wechselstrom umgewandelt, auf 33 Kilovolt transformiert und über zwei Kabelsysteme zum rund acht Kilometer entfernten Umspannwerk übertragen, das wpd gehört. Das Umspannwerk bildet den gemeinsamen Einspeisepunkt für beide Erzeugungsanlagen.
Windpark hat Einspeisevorrang — Parkregler überwacht beide Anlagen
Das hybride Netzanschlusskonzept wurde vom Verteilnetzbetreiber Mitnetz genehmigt. Technisch funktioniert es so: Der Windpark hat gegenüber der Photovoltaik-Anlage Einspeisevorrang. Ein Parkregler überwacht kontinuierlich die Erzeugungsleistung beider Anlagen und drosselt die Leistung des Solarparks, sobald die kombinierte Einspeisung den Anschlusswert zu überschreiten droht. Im Jahresverlauf ergänzen sich Solar- und Windstromerzeugung typischerweise gut, weil Sonnenstunden und Windstunden sich saisonal verschieben.
Der Windpark auf derselben Fläche besteht aus acht Anlagen. Er ging ursprünglich im Jahr 2000 mit neun Windkraftanlagen und 13,5 Megawatt in Betrieb. 2021 erfolgte ein Repowering auf die aktuelle Leistung von 26,4 Megawatt. Der Solarpark ist seit November 2025 am Netz; die offizielle Einweihung fand am 8. Juni 2026 im Beisein von Sachsen-Anhalts Energieminister Armin Willingmann statt.
Power Purchase Agreement mit Industrieabnehmer
Den erzeugten Solarstrom verkauft wpd über einen Stromabnahmevertrag (Power Purchase Agreement, PPA) direkt an einen Industrieabnehmer. Namen und Branche wurden nicht genannt. PPAs sichern dem Betreiber planbare Erlöse ohne Abhängigkeit von Marktpreisschwankungen und gelten bei Großanlagen ohne EEG-Vergütung als Standardfinanzierungsinstrument.
90.000 Euro jährlich für die Gemeinde Gerbstedt
Die Standortgemeinde Gerbstedt erhält durch den Solarpark jährlich knapp 90.000 Euro zusätzliche Einnahmen. Diese kommunale Beteiligung ist seit der EEG-Novelle verpflichtend für Freiflächenanlagen, die nach dem 1. Januar 2023 genehmigt wurden. Sie stärkt die lokale Akzeptanz erneuerbarer Energieprojekte.
Die landwirtschaftliche Nutzung der Fläche bleibt erhalten. Ein regionaler Schäfer übernimmt die Beweidung des Geländes zwischen den Modulreihen. Dieses Konzept — Solarstrom und Weidehaltung auf derselben Fläche — entspricht dem Prinzip der Agri-Photovoltaik in seiner einfachsten Form.
Projektchronologie: Von 2021 bis zur Einweihung 2026
Der Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan der Freiflächenanlage erfolgte 2021. Der Satzungsbeschluss der Stadt Gerbstedt folgte im März 2024. Die Inbetriebnahme der Photovoltaik-Anlage war im November 2025. Die offizielle Einweihungsfeier fand am 8. Juni 2026 statt. Vom Planungsbeschluss bis zur Inbetriebnahme vergingen damit rund vier Jahre.
Was das Hybridkonzept für andere Projekte bedeutet
Das Beispiel Gerbstedt zeigt, dass bestehende Netzanschlüsse von Windparks für nachträgliche Photovoltaik-Zubauung genutzt werden können, wenn ein Parkregler die kombinierte Einspeisung überwacht und der zuständige Netzbetreiber das Konzept genehmigt. Für Projektentwickler ist das relevant, weil Netzanschlusskosten und Wartezeiten auf neue Netzkapazitäten erhebliche Kostentreiber und Verzögerungsfaktoren bei Freiflächen-Projekten sind.
Hybride Netzanschlüsse setzen voraus, dass die kombinierte Leistung beider Anlagen den genehmigten Anschlusspunkt nicht dauerhaft überlastet. Weil Photovoltaik und Wind komplementäre Erzeugungsprofile haben, ist die gleichzeitige Maximaleinspeisung beider Anlagen selten — das macht den gemeinsamen Anschluss technisch vertretbar. Die Genehmigungsfähigkeit hängt jedoch stets vom Einzelfall und vom jeweiligen Netzbetreiber ab.
Häufige Fragen zum hybriden Netzanschluss von Photovoltaik und Wind
Was ist ein hybrider Netzanschluss bei Erneuerbaren-Anlagen?
Ein hybrider Netzanschluss bezeichnet die gemeinsame Nutzung eines einzelnen Netzanschlusspunkts durch zwei oder mehr Erzeugungsanlagen unterschiedlicher Technologie — typischerweise Photovoltaik und Windkraft. Ein Parkregler überwacht die kombinierte Einspeisung und stellt sicher, dass die genehmigte Anschlussleistung nicht überschritten wird. Dadurch entfallen Kosten für einen zweiten Netzanschluss.
Welche Vorteile hat die Kombination von Photovoltaik und Windkraft am selben Netzanschluss?
Solar- und Windstromerzeugung ergänzen sich saisonal: Im Sommer dominiert Photovoltaik, im Winter und bei schlechtem Wetter Windkraft. Dadurch ist die gleichzeitige Volleinspeisung beider Anlagen selten. Ein gemeinsamer Netzanschluss ist deshalb technisch vertretbar, spart Investitionskosten und beschleunigt die Genehmigung, weil kein neuer Anschlusspunkt erschlossen werden muss.
Wie funktioniert der Einspeisevorrang beim Hybridpark Gerbstedt?
Der Windpark hat gegenüber der Photovoltaik-Freiflächenanlage Einspeisevorrang. Ein zentraler Parkregler überwacht die Erzeugungsleistung beider Anlagen in Echtzeit. Droht die kombinierte Einspeisung den genehmigten Anschlusswert zu überschreiten, wird die Leistung des Solarparks automatisch gedrosselt. Die Windkraftanlage speist in diesem Fall vorrangig ein.
Wie hoch ist die Leistung des Solarparks in Gerbstedt?
Der Solarpark Gerbstedt hat eine installierte Leistung von 54 Megawatt. Auf rund 53 Hektar wurden etwa 86.000 Solarmodule installiert. Der Gleichstrom wird von zwölf Zentralwechselrichter-Stationen in Wechselstrom umgewandelt, auf 33 Kilovolt transformiert und über zwei Kabelsysteme zum acht Kilometer entfernten Umspannwerk übertragen.
Wer betreibt den Solarpark und den Windpark in Gerbstedt?
Beide Anlagen werden von wpd betrieben, einem deutschen Projektentwickler für erneuerbare Energien. Das Unternehmen hat den Solarpark errichtet und betreibt auf derselben Fläche bereits den Windpark mit 26,4 Megawatt, der ursprünglich im Jahr 2000 in Betrieb ging und 2021 einem Repowering unterzogen wurde.
Welche Einnahmen hat die Gemeinde Gerbstedt durch den Solarpark?
Die Gemeinde Gerbstedt im Landkreis Mansfeld-Südharz erhält durch den Solarpark jährlich knapp 90.000 Euro zusätzliche Einnahmen. Diese Beteiligung ist seit der EEG-Novelle für Freiflächenanlagen verpflichtend, die nach dem 1. Januar 2023 genehmigt wurden. Sie soll die lokale Akzeptanz für erneuerbare Energieprojekte stärken.
Hat der Solarpark Gerbstedt eine EEG-Vergütung?
Nein. wpd hat für den Solarstrom einen Stromabnahmevertrag (Power Purchase Agreement, PPA) mit einem Industrieabnehmer abgeschlossen. Details zum Abnehmer wurden nicht veröffentlicht. PPAs sichern planbare Erlöse unabhängig von Börsenstrompreisen und sind bei Großanlagen jenseits der EEG-Förderung die übliche Vermarktungsform.
Wer ist der Netzbetreiber und wie wurde das Konzept genehmigt?
Der zuständige Verteilnetzbetreiber ist Mitnetz. Mitnetz hat das hybride Netzanschlusskonzept für den gemeinsamen Einspeisepunkt von Solarpark und Windpark genehmigt. Die Zustimmung des Netzbetreibers ist Voraussetzung für ein solches Konzept, da die Netzstabilität und die Anschlusskapazität im Einzelfall geprüft werden müssen.
Wann wurde der Solarpark Gerbstedt in Betrieb genommen?
Der Solarpark ist seit November 2025 am Netz. Die offizielle Einweihungsfeier fand am 8. Juni 2026 statt, unter anderem im Beisein von Sachsen-Anhalts Energieminister Armin Willingmann. Der Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan erfolgte 2021, der Satzungsbeschluss der Stadt Gerbstedt im März 2024.
Kann die Fläche unter den Solarmodulen weiter landwirtschaftlich genutzt werden?
Ja. Die Fläche wird weiterhin landwirtschaftlich genutzt. Ein regionaler Schäfer übernimmt die Beweidung des Geländes zwischen den Modulreihen. Dieses Konzept entspricht dem Grundprinzip der Agri-Photovoltaik: Solarstromerzeugung und extensive Landwirtschaft auf derselben Fläche.
Wie lange dauerte die Planung und Genehmigung des Projekts?
Vom Aufstellungsbeschluss im Jahr 2021 bis zur Inbetriebnahme im November 2025 vergingen rund vier Jahre. Der Satzungsbeschluss der Stadt Gerbstedt erfolgte im März 2024. Diese Projektlaufzeit von etwa vier Jahren entspricht dem typischen Zeitrahmen für Freiflächen-Solarparks dieser Größenordnung in Deutschland.
Lässt sich das Hybridkonzept auf andere Standorte übertragen?
Grundsätzlich ja, allerdings hängt die Übertragbarkeit von mehreren Faktoren ab: Die kombinierte Leistung beider Anlagen darf den genehmigten Anschlusspunkt nicht dauerhaft überlasten. Der zuständige Netzbetreiber muss das Konzept im Einzelfall genehmigen. Bestehende Windpark-Netzanschlüsse kommen als Basis infrage, wenn die Netzkapazität ausreicht und ein geeigneter Parkregler eingesetzt wird.
Was kostet ein hybrider Netzanschluss im Vergleich zu zwei separaten Anschlüssen?
Konkrete Kostenzahlen für das Projekt Gerbstedt wurden nicht veröffentlicht. Grundsätzlich entfallen beim hybriden Konzept die Kosten für einen zweiten Netzanschlusspunkt sowie die damit verbundenen Tiefbau- und Netzausbaukosten. Bei einem Kabelweg von acht Kilometern zum Umspannwerk können diese Einsparungen erheblich sein und die Wirtschaftlichkeit des Solarparks wesentlich verbessern.



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