Der Experte für Energie und Elektromobilität | energiefahrer.de
Solarstrom-Nutzen: Was Unternehmen daraus lernen können
+ Energie und Energiewende 8 Min. Lesezeit

Solarstrom-Nutzen: Was Unternehmen daraus lernen können

Harald M. Depta 8. Juli 2026 Aktualisiert: Juli 2026
Harald M. Depta
Harald M. Depta
Projektmanager & DEKRA-Fachdozent · Photovoltaik, Elektromobilität & Ladeinfrastruktur
Auf einen Blick

Eine BSW-Solar-Studie zeigt: Deutscher Solarstrom hat zwischen 2020 und 2025 fossile Importe von 20 Milliarden Euro ersetzt und Klimaschadenskosten von bis zu 250 Milliarden Euro vermieden. Für Unternehmen zählt aber ein anderer Hebel. Selbst verbrauchter Solarstrom spart 30 bis 36 Cent pro Kilowattstunde, die Einspeisevergütung liegt bei nur 6,73 Cent, Faktor fünf. Der Artikel ordnet die aktuellen Strommix-Zahlen aus dem ersten Quartal 2026 ein und zeigt, warum Eigenverbrauchsoptimierung vor Einspeisung immer Vorrang haben sollte, kombiniert mit IAB, Sonderabschreibung und Batteriespeicher.

Was die BSW-Solar-Studie über den volkswirtschaftlichen Nutzen von Solarstrom zeigt

Rund sechs Millionen Solaranlagen sind in Deutschland installiert. Zwischen 2020 und 2025 haben sie knapp 390 Milliarden Kilowattstunden Strom erzeugt. Diese Zahl steht am Anfang einer aktuellen Auswertung des Bundesverbandes Solarwirtschaft, kurz BSW-Solar, auf Basis von Daten des Umweltbundesamts.

Das Ergebnis überrascht selbst Branchenkenner: Fossile Energieimporte im Wert von rund 20 Milliarden Euro wurden durch diesen Solarstrom ersetzt. Gleichzeitig wurden Klimaschadenskosten von bis zu 250 Milliarden Euro vermieden, wenn heutige und künftige Generationen gleichwertig berücksichtigt werden. Der Hintergrund ist eine klassische Verdrängungsrechnung. Solarstrom ersetzt im deutschen Stromsystem vor allem teure fossile Spitzenlast aus Erdgas- und Steinkohlekraftwerken. Jede Kilowattstunde, die nicht aus Gas oder Kohle stammt, spart doppelt: einmal beim Importvolumen, einmal bei den Folgekosten des CO2-Ausstoßes.

In den vergangenen 20 Jahren wurden durch Solarstrom in Deutschland insgesamt rund 500 Millionen Tonnen Treibhausgase vermieden. Mehr als die Hälfte davon, etwa 270 Millionen Tonnen, entfiel allein auf den Zeitraum 2020 bis 2025. Der Ausbau beschleunigt sich also spürbar. Für Unternehmen ist diese Studie zunächst eine Zahl aus der Zeitung. Interessant wird sie erst, wenn man sie auf betriebliche Entscheidungen herunterbricht. Genau das ist der Teil, der in der öffentlichen Berichterstattung meist fehlt.

Wer Ladeinfrastruktur ohne Gesamtsystem denkt, zahlt zu viel und verschenkt steuerliche Hebel. Beratung beginnt vor der ersten Ladesäule.

Der aktuelle Strommix 2026: Ein differenzierteres Bild als die Jahresstatistik 2025

Wer im Juli 2026 über Solarstrom spricht, sollte nicht mit den Zahlen des Vorjahres argumentieren. Das Statistische Bundesamt hat im Juni 2026 die aktuellsten verfügbaren Werte veröffentlicht, vorläufige Ergebnisse für das erste Quartal 2026. Insgesamt wurden 126,6 Milliarden Kilowattstunden Strom erzeugt und eingespeist, plus 6,0 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Erneuerbare Energien lieferten 67,5 Milliarden Kilowattstunden, plus 13,9 Prozent, und erreichten einen Anteil von 53,3 Prozent, nach 49,6 Prozent im ersten Quartal 2025. Windkraft blieb mit 42,8 Milliarden Kilowattstunden wichtigster Energieträger, ihr Anteil stieg auf 33,8 Prozent.


Photovoltaik dagegen sank im Quartalsvergleich auf 10,3 Milliarden Kilowattstunden, ein Rückgang von 7,4 Prozent. Das klingt zunächst nach einem Rückschlag, ist aber ein reiner Saisoneffekt. Das erste Quartal ist sonnenarm, die Kennzahl sagt wenig über den PV-Trend insgesamt aus. Für das Gesamtjahr 2025 erreichte die Photovoltaik dagegen einen Rekordwert von 87 Terawattstunden, ein Plus von 21 Prozent gegenüber 2024, und wurde damit erstmals zweitwichtigste Stromquelle vor der Braunkohle. Konventionelle Energieträger sanken im ersten Quartal 2026 leicht auf 59,1 Milliarden Kilowattstunden, Anteil 46,7 Prozent. Kohle ging zurück, Erdgas legte moderat zu. Für Unternehmen heißt das: Der Erneuerbaren-Anteil wächst zwar strukturell, aber nicht linear. Preisvolatilität am Strommarkt bleibt damit auf absehbare Zeit ein Fakt, kein vorübergehendes Phänomen

Warum diese Makrozahlen für Unternehmensentscheidungen relevant sind

Volkswirtschaftliche Studien wie die von BSW-Solar sind kein Ersatz für eine betriebliche Wirtschaftlichkeitsrechnung. Trotzdem liefern sie zwei Argumente, die in Investitionsentscheidungen häufig fehlen. Erstens: die Merit-Order-Wirkung. Wenn Solarstrom teure fossile Spitzenlast verdrängt, wirkt das dämpfend auf den Börsenstrompreis. Dieser Effekt ist jedoch nicht garantiert und nicht gleichmäßig, wie die Quartalsdaten 2026 zeigen. Ein Unternehmen, das auf sinkende Netzbezugspreise wartet, wartet möglicherweise vergeblich. Wer stattdessen den eigenen Verbrauch mit eigenem Solarstrom deckt, macht sich von dieser Unsicherheit unabhängig, unabhängig davon, wie sich der Marktpreis entwickelt.

Zweitens: die Importabhängigkeit. Die vermiedenen 20 Milliarden Euro an fossilen Energieimporten sind ein Resilienzargument, kein Kostenargument im engeren Sinne. Für ein einzelnes Unternehmen übersetzt sich das in eine simple Frage: Wie stark hängt die eigene Kostenstruktur von geopolitisch bedingten Preisschwankungen bei Gas und Kohle ab? Jede Kilowattstunde Eigenverbrauch reduziert diese Abhängigkeit direkt, unabhängig von der volkswirtschaftlichen Gesamtbilanz.

3 Tage Online LIVE – praxisnah, aktuell und mit bundesweit anerkanntem Abschluss. Entwickelt aus über 250 realen Projekten. Nicht aus dem Lehrbuch. Mit KI als echtem Planungswerkzeug — vom ersten Tag an, in jedem Themenblock.

Von der Volkswirtschaft zur Einzelentscheidung: Eigenverbrauch vor Einspeisung

Die Studie zeigt einen volkswirtschaftlichen Nutzen von rund 270 Milliarden Euro über sechs Jahre. Auf Unternehmensebene entsteht ein vergleichbarer, aber deutlich konkreterer Hebel: der Unterschied zwischen Eigenverbrauch und Einspeisung. Selbst erzeugter und selbst verbrauchter Solarstrom spart aktuell rund 30 bis 36 Cent pro Kilowattstunde Netzbezug.

Die Einspeisevergütung für Anlagen zwischen 10 und 40 Kilowatt-Peak liegt dagegen bei 6,73 Cent, Stand Februar 2026. Das ist Faktor fünf zugunsten des Eigenverbrauchs. Diese Rechnung gilt unabhängig davon, wie sich der Börsenstrompreis oder die makroökonomischen Klimakosten entwickeln. Deshalb hat Eigenverbrauchsoptimierung in der Verwertungshierarchie einer PV-Anlage grundsätzlich Vorrang vor der Einspeisung. Eine wirtschaftliche PV-Planung, die sich für neue Anlagen unter 25 Kilowatt-Peak auf künftige EEG-Einspeisevergütungen stützt, ist angesichts dieser Zahlen nicht mehr seriös.

Mit intelligentem Energiemanagement, Batteriespeicher und einer auf den Tagesverbrauch abgestimmten Anlagengröße lässt sich der Eigenverbrauchsanteil auf 60 bis 80 Prozent steigern, statt der üblichen 30 bis 40 Prozent ohne Steuerung. Für degressive Sonderabschreibung profitieren Batteriespeicher zusätzlich: 30 Prozent Sonderabschreibung sind bis Ende 2027 möglich, kombiniert mit dem Investitionsabzugsbetrag nach §7g EStG, der 50 Prozent der geplanten Anschaffungskosten bereits im Vorjahr steuermindernd wirken lässt.

Ein attraktives Angebot, eine hohe Steuerersparnis. Bevor Sie sechsstellig investieren, bleibt die entscheidende Frage: Halten die Zahlen, was sie versprechen? Genau das prüfe ich — unabhängig, technisch und wirtschaftlich.

Fazit

Die BSW-Solar-Zahlen sind ein starkes Argument für den Solarausbau in Deutschland, aber sie ersetzen keine betriebliche Wirtschaftlichkeitsrechnung. Der eigentliche Hebel für Unternehmen liegt nicht in der volkswirtschaftlichen Klimabilanz, sondern in der konsequenten Priorisierung von Eigenverbrauch vor Einspeisung, kombiniert mit Speicher, Lastmanagement und steuerlicher Optimierung. Wer eine gewerbliche PV-Anlage plant und die Wirtschaftlichkeit noch auf Basis der Einspeisevergütung kalkuliert, rechnet mit der falschen Kennzahl.

Eine unabhängige Analyse des tatsächlichen Lastprofils zeigt, welcher Eigenverbrauchsanteil realistisch erreichbar ist und wie sich Investitionsabzugsbetrag, Sonderabschreibung und Fördermittel kombinieren lassen. Die PV-Beratung für Unternehmen begleitet diesen Prozess von der Analyse bis zur Inbetriebnahme, der Eigenverbrauch-Optimierer liefert erste Anhaltspunkte zur eigenen Quote, und die IAB-Prüfung zeigt, welche steuerlichen Vorteile im konkreten Fall greifen.

Weiterführende Beiträge:
PV-Anlage ohne Einspeisung richtig planen
Gewerbespeicher Strategie: Chinas Lehre nutzen
Klimaschutz als Wettbewerbsvorteil statt Kostenfalle

Quellen: Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) · Umweltbundesamt (UBA) · Statistisches Bundesamt (Destatis), Pressemitteilung Juni 2026 · Fraunhofer ISE, energy-charts.info

Häufige Fragen zu Photovoltaik volkswirtschaftlicher Nutzen

Wie viel Geld hat Solarstrom in Deutschland eingespart?

Zwischen 2020 und 2025 wurden laut BSW-Solar fossile Energieimporte im Wert von rund 20 Milliarden Euro ersetzt. Zusätzlich wurden Klimaschadenskosten von bis zu 250 Milliarden Euro vermieden, basierend auf Schätzungen des Umweltbundesamts.

Was bedeutet der volkswirtschaftliche Nutzen von Solarstrom konkret für Unternehmen?

Die Makrozahlen sind kein Ersatz für eine betriebliche Wirtschaftlichkeitsrechnung. Relevant sind zwei Effekte: eine tendenziell dämpfende Wirkung auf den Börsenstrompreis durch Verdrängung fossiler Spitzenlast, und eine geringere Abhängigkeit von importierten fossilen Energieträgern.

Warum ist Eigenverbrauch wichtiger als die Einspeisevergütung?

Selbst verbrauchter Solarstrom spart aktuell 30 bis 36 Cent pro Kilowattstunde Netzbezug. Die Einspeisevergütung für Anlagen zwischen 10 und 40 Kilowatt-Peak liegt bei 6,73 Cent, Stand Februar 2026. Das entspricht Faktor fünf zugunsten des Eigenverbrauchs.

Wie hat sich der Strommix in Deutschland 2026 entwickelt?

Im ersten Quartal 2026 lag der Anteil erneuerbarer Energien laut Destatis bei 53,3 Prozent, nach 49,6 Prozent im Vorjahresquartal. Windkraft war mit 42,8 Milliarden Kilowattstunden wichtigster Energieträger.

Warum ist die Photovoltaik-Erzeugung im ersten Quartal 2026 gesunken?

Der Rückgang auf 10,3 Milliarden Kilowattstunden ist ein saisonaler Effekt, da das erste Quartal sonnenarm ist. Für das Gesamtjahr 2025 erreichte die Photovoltaik mit 87 Terawattstunden einen Rekordwert.

Wie hoch kann die Eigenverbrauchsquote mit Speicher und Energiemanagement gesteigert werden?

Ohne Steuerung erreichen Unternehmen typischerweise 30 bis 40 Prozent Eigenverbrauch. Mit intelligentem Energiemanagement, Batteriespeicher und passender Anlagengröße sind 60 bis 80 Prozent realistisch.

Welche steuerlichen Vorteile lassen sich mit einer PV-Investition kombinieren?

Der Investitionsabzugsbetrag nach §7g EStG erlaubt es, bis zu 50 Prozent der geplanten Anschaffungskosten vorab steuermindernd anzusetzen. Für Batteriespeicher kommt bis Ende 2027 eine degressive Sonderabschreibung von 30 Prozent hinzu.

Ist eine PV-Planung auf Basis der EEG-Einspeisevergütung noch sinnvoll?

Für neue Anlagen unter 25 Kilowatt-Peak gilt das nicht mehr als seriös. Angesichts des Preisunterschieds zwischen Eigenverbrauch und Einspeisevergütung sollte die Wirtschaftlichkeitsrechnung konsequent auf Eigenverbrauch ausgelegt werden.

Woher stammen die Zahlen zum volkswirtschaftlichen Nutzen von Solarstrom?

Die Berechnungen stammen vom Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) auf Basis von Daten des Umweltbundesamts. Die aktuellen Strommix-Zahlen für 2026 stammen vom Statistischen Bundesamt (Destatis).

Harald M. Depta
Über den Autor
Harald M. Depta
Projektmanager & DEKRA-Fachdozent · energiefahrer.de
DEKRA TÜV NORD HWK BAFA

Unabhängiger Berater, Projektplaner und Fachdozent für Photovoltaik, Elektromobilität, Ladeinfrastruktur, Fuhrparkmanagement und ESG. Zertifiziert durch DEKRA, TÜV NORD, HWK und BAFA. Lehrtätigkeit für TÜV NORD und DEKRA. Inhaber von energiefahrer.de mit Sitz in Sundern im Sauerland.

Kommentare

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*