Das Fraunhofer ISE hat im Forschungsprojekt SolarEnvelopeCenter einen webbasierten Planungsleitfaden für gebäudeintegrierte Photovoltaik (BIPV) veröffentlicht. Entwickelt wurde er gemeinsam mit DFKI, Drees & Sommer, Wulf Architekten, IBC Solar und der DGS Berlin Brandenburg — gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Der Leitfaden stellt 15 standardisierte Konstruktionsprinzipien für Dach und Fassade bereit, die den normativen und bauordnungsrechtlichen Anforderungen entsprechen. Ein Bauart-Konfigurator erlaubt die Anpassung an projektspezifische Parameter entlang der HOAI-Leistungsphasen. Kein Hersteller und kein konkretes Produkt wird vorgegeben — das gestalterische Design bleibt flexibel. Zusätzlich enthält das Tool einen Amortisationsrechner. Die DGS bietet Seminare zur Nutzung des Webtools an.
BIPV-Leitfaden des Fraunhofer ISE: Was Planer jetzt wissen müssen
Gebäudeintegrierte Photovoltaik scheitert in der Praxis häufig nicht an der Technologie, sondern am fehlenden Planungs-Know-how. Architekten, Planer und Projektentwickler stehen vor der Aufgabe, PV-Systeme bereits in frühen Entwurfsphasen zu berücksichtigen — ohne zu wissen, welche Lösungen technisch umsetzbar und normgerecht sind. Genau hier setzt ein neuer webbasierter Leitfaden des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE an.
Das dreijährige Forschungsprojekt SolarEnvelopeCenter, das 2023 startete und vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert wurde, hat ein Konsortium aus Forschung, Architektur, Fassadenplanung und Solarwirtschaft zusammengebracht. Beteiligt sind das Fraunhofer ISE, das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), Drees & Sommer SE, Wulf Architekten, IBC Solar sowie die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie, Landesverband Berlin Brandenburg.
15 standardisierte BIPV-Normallösungen für Dach und Fassade
Der Leitfaden vermittelt 15 technisch, ökonomisch und architektonisch vorteilhafte Konstruktionsprinzipien für die Integration von Photovoltaik in Dächer und Fassaden. Diese standardisierten Lösungen erlauben es, PV-Systeme frühzeitig in den Planungsprozess einzubinden — entsprechend der Leistungsphasen der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI).
Das Besondere: Weder Hersteller noch konkrete Produkte werden vorgegeben. Das gestalterische Design der gewählten BIPV-Lösung bleibt flexibel. Dennoch ist sichergestellt, dass alle normativen und bauordnungsrechtlichen Anforderungen erfüllt werden. Frank Ensslen, Projektleiter und Bauingenieur am Fraunhofer ISE, betont: Für jedes der 15 Konstruktionsprinzipien gebe es ausreichend Produkte auf dem Markt, sodass aufwendige Spezialfertigungen im Realisierungsfall nicht erforderlich sind.
Wie der Bauart-Konfigurator funktioniert
Die Bedienung ist in zwei Schritten aufgebaut. In einer Eingabemaske werden zunächst die aktuelle Leistungsphase des Bauprojekts sowie die gewünschte Einbaukategorie angegeben. Im zweiten Schritt lassen sich über einen Online-Konfigurator die projektspezifischen Parameter anpassen. Die so ermittelten BIPV-Normallösungen dienen in frühen Leistungsphasen als Platzhalter und können im Projektverlauf weiter ausgearbeitet werden.
Baldur Dilthey vom Büro Wulf Architekten erklärt, dass die Normallösungen Freiheiten bei der Systembilanz und im Moduldesign lassen — etwa hinsichtlich Glastyp, Glasdicken, Modulabmessungen, Zelltechnologie und Einkapselungsmaterialien. Damit können sie auch für Modulhersteller als Orientierung zur Erweiterung ihres Produktportfolios dienen.

Amortisationsrechner und Weiterbildung inklusive
Der Leitfaden enthält zusätzlich einen integrierten Amortisationsrechner, mit dem sich die wirtschaftliche Tragfähigkeit von BIPV-Projekten bereits in frühen Phasen einschätzen lässt. Kai Babetzki von Drees & Sommer weist darauf hin, dass BIPV heute zwar noch eine Nische ist, das Potenzial aber groß sei.
Übrigens: Zertifizierte Weiterbildungen gibt es von energiefahrer. Zum Beispiel: DEKRA zertifizierte/r Projektmanager/in Photovoltaik. Auch weitere themenbezogene Seminar – und Workshopangebote zur Weiterentwicklung sind unser Auftrag für Sie.
Praxiseinsatz: Rechenzentrum der Universität Mannheim
Ein konkretes Anwendungsbeispiel zeigt, wie die Normallösung C-Sond-BR-01 im Entwurf von Wulf Architekten für den Neubau des IT- und Rechenzentrums der Universität Mannheim eingesetzt wurde. Damit ist der Leitfaden nicht nur Theorie, sondern bereits in realen Planungsprojekten im Einsatz.
BIPV als Baustandard der Zukunft
Die BIPV-Initiative Baden-Württemberg, an der neben dem Fraunhofer ISE auch die Hochschule Konstanz (HTWG), das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung (ZSW) und die Architektenkammer Baden-Württemberg (AKBW) beteiligt sind, hat den Leitfaden im Rahmen ihrer ersten Projektphase entwickelt. Seit November 2025 läuft eine Etablierungsphase, gefördert vom Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg bis April 2028.
Das übergeordnete Ziel ist klar: Solare Gebäudehüllen sollen in der Bauwirtschaft zum Standard werden. Der neue Planungsleitfaden ist ein konkreter Schritt in diese Richtung — und beseitigt eine der häufigsten Hürden für BIPV-Projekte: das fehlende Planungs-Know-how auf Seiten der Architekten und Projektentwickler.
Häufige Fragen zu BIPV und dem Fraunhofer-ISE-Leitfaden
Was ist BIPV?
BIPV steht für Building Integrated Photovoltaics, auf Deutsch bauwerkintegrierte Photovoltaik. Dabei werden Photovoltaikmodule direkt als funktionales Bauelement in die Gebäudehülle integriert — in Dachflächen, Fassaden oder Oberlichter — und ersetzen dort konventionelle Baumaterialien wie Glas, Metall oder Dachziegel. BIPV erfüllt damit gleichzeitig eine bauliche und eine energieerzeugende Funktion.
Was ist der BIPV-Leitfaden des Fraunhofer ISE?
Der BIPV-Leitfaden ist ein kostenfrei zugängliches Webtool, das im Forschungsprojekt SolarEnvelopeCenter entwickelt wurde. Er stellt 15 standardisierte Konstruktionsprinzipien für die gebäudeintegrierte Photovoltaik bereit, die Architekten und Planern helfen, normgerechte und technisch umsetzbare BIPV-Lösungen bereits in frühen Projektphasen nach HOAI zu finden.
Wer hat den BIPV-Leitfaden entwickelt?
Ein Konsortium aus Fraunhofer ISE, Deutschem Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), Drees & Sommer SE, Wulf Architekten, IBC Solar und der DGS Berlin Brandenburg hat den Leitfaden im Projekt SolarEnvelopeCenter entwickelt. Das dreijährige Verbundprojekt wurde vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert.
Für wen ist der BIPV-Leitfaden geeignet?
Der Leitfaden richtet sich an Architekten, Planer, Projektentwickler, Solarfachkräfte, Installateure und Energieberater, die Photovoltaik in Neubauten oder Bestandsgebäude integrieren wollen. Auch Modulhersteller können ihn als Orientierung für ihr Produktportfolio nutzen.
Wie viele BIPV-Lösungen enthält der Leitfaden?
Der Leitfaden umfasst 15 standardisierte Konstruktionsprinzipien für die Integration von Photovoltaik in Dächer und Fassaden. Für jedes dieser Prinzipien gibt es ausreichend Produkte auf dem Markt, sodass keine aufwendigen Spezialfertigungen erforderlich sind.
Welche HOAI-Leistungsphasen deckt der Leitfaden ab?
Der Leitfaden ist so konzipiert, dass er in frühen Leistungsphasen nach HOAI eingesetzt werden kann — also bereits in der Grundlagenermittlung und Vorplanung. Die BIPV-Normallösungen dienen dabei zunächst als Platzhalter und können in späteren Phasen weiter ausgearbeitet werden.
Gibt der Leitfaden bestimmte Produkte oder Hersteller vor?
Nein. Der Leitfaden gibt weder Hersteller noch konkrete Produkte vor. Das gestalterische Design bleibt flexibel. Die Normallösungen beschreiben Konstruktionsprinzipien, nicht spezifische Marktprodukte, und lassen Freiheiten bei Glastyp, Modulabmessungen, Zelltechnologie und Einkapselungsmaterialien.
Erfüllen die BIPV-Lösungen im Leitfaden alle Bauvorschriften?
Ja. Das Konsortium hat intensiv zu BIPV-Produkten recherchiert, um sicherzustellen, dass die 15 Normallösungen alle normativen und bauordnungsrechtlichen Anforderungen erfüllen und tatsächlich realisiert werden können.
Was ist der Bauart-Konfigurator im BIPV-Leitfaden?
Der Bauart-Konfigurator ist ein Online-Tool innerhalb des Leitfadens. In einer ersten Eingabemaske werden die Leistungsphase und die gewünschte Einbaukategorie angegeben. Im zweiten Schritt lassen sich projektspezifische Parameter anpassen. Das Ergebnis ist eine passende BIPV-Normallösung für das jeweilige Bauvorhaben.
Enthält der BIPV-Leitfaden auch eine Wirtschaftlichkeitsberechnung?
Ja. Der Leitfaden beinhaltet einen Amortisationsrechner, mit dem Planer die wirtschaftliche Tragfähigkeit eines BIPV-Projekts bereits in frühen Planungsphasen prüfen können.
Gibt es Weiterbildungsangebote zum BIPV-Leitfaden?
Ja. Die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS) hat im Rahmen des Projekts Weiterbildungsmaßnahmen für Solarfachkräfte, Installateure, Planer, Energieberater und Architekten entwickelt. In Seminaren wird auch der praktische Umgang mit dem Webtool vermittelt.
Wo ist der BIPV-Leitfaden abrufbar?
Der Leitfaden ist webbasiert und öffentlich zugänglich. Informationen dazu finden sich auf der Website des Fraunhofer ISE sowie auf bipv-bw.de, der Plattform der BIPV-Initiative Baden-Württemberg.
Wie ist BIPV in das Gebäuderecht integriert?
BIPV-Elemente sind baurechtlich als Bauprodukte einzustufen und müssen die entsprechenden normativen Anforderungen erfüllen. Der Leitfaden stellt sicher, dass die enthaltenen Normallösungen diesen Anforderungen entsprechen — ein wesentlicher Vorteil gegenüber individuellen Sonderlösungen.
Warum scheitern BIPV-Projekte häufig in der Praxis?
Der häufigste Grund ist fehlendes Planungs-Know-how auf Seiten der Architekten und Projektentwickler. Hoher Planungsaufwand, unklare Normenlage und mangelnde Erfahrung mit BIPV-Produkten verhindern oft die Umsetzung — obwohl die technischen Möglichkeiten und Marktprodukte vorhanden sind.
Welche Rolle spielt BIPV für die CO2-Bilanz von Gebäuden?
BIPV kann einen wesentlichen Beitrag zur ausgeglichenen CO2-Bilanz eines Gebäudes leisten, indem die Gebäudehülle selbst als Stromerzeuger fungiert. Planer sehen sich zunehmend mit der Anforderung konfrontiert, solche Konzepte in Neubauten und Sanierungsmaßnahmen einzubinden, um Klimaschutzziele zu erfüllen.


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