Ab 1. Januar 2027 entfällt die Einspeisevergütung für neue PV-Anlagen bis 25 kWp. Eine SFV-Studie warnt vor Amortisationszeiten von über 30 Jahren. Das Szenario gilt aber nur für Anlagen ohne Speicher und ohne Eigenverbrauchsstrategie — ein Planungsansatz, der heute nicht mehr Stand der Technik ist. Eigenverbrauch ist bereits heute viermal wertvoller als Einspeisung: 37 Cent Netzstrompreis gegenüber 7 bis 8 Cent Einspeisevergütung. Mit Batteriespeicher steigt die Eigenverbrauchsquote auf 60 bis 80 Prozent. Wärmepumpe und Wallbox erhöhen sie weiter auf über 90 Prozent. Für Unternehmen mit Elektrofahrzeugflotte ist die Kombination aus PV und Ladeinfrastruktur das stärkste wirtschaftliche Argument. PV-Anlagen auf Mehrfamilienhäusern mit hohem Eigenverbrauch bleiben laut SFV-Studie selbst ohne Einspeisevergütung wirtschaftlich. Das EEG 2027 erzwingt, was technisch längst überfällig ist: Sektorkopplung und Eigenverbrauch als Planungspflicht.
EEG 2027 macht PV-Anlagen unwirtschaftlich — stimmt das wirklich?
Eine neue Studie des Solarenergie-Fördervereins Deutschland (SFV), durchgeführt vom Berliner Forschungsinstitut Aquu, sorgt für Aufregung: Das geplante EEG 2027 mache private Photovoltaik-Anlagen unwirtschaftlich. Die Amortisationszeit einer 10-kWp-Anlage verlängere sich von heute 16 auf über 30 Jahre. Diese Zahl klingt alarmierend. Sie ist methodisch korrekt — aber das zugrunde liegende Szenario ist praxisfremd und aus der Zeit gefallen.
Denn die Studie rechnet mit einer PV-Anlage ohne Batteriespeicher, ohne Sektorkopplung, ohne Eigenverbrauchsstrategie. Eine Anlage also, die ausschließlich auf Einspeisung ins Netz setzt. Genau das ist das Problem: So plant und betreibt heute kein seriöser Energieberater mehr eine Photovoltaik-Anlage.
Was das EEG 2027 tatsächlich verändert
Ab 1. Januar 2027 entfällt die feste Einspeisevergütung für neue PV-Anlagen bis 25 kWp ersatzlos. Lediglich eine auf 30 Monate befristete Netzbetreiberabnahme zum aktuellen Marktwert bleibt — derzeit etwa 3,5 Cent pro Kilowattstunde. Wer überschüssigen Strom danach ins Netz einspeist, erhält dafür nichts mehr. Das Bundeswirtschaftsministerium unter Katherina Reiche folgt damit nahezu wortgleich einem Positionspapier von E.ON und RWE aus dem Frühjahr 2025, das das Ende der Einspeisevergütung für Kleinanlagen gefordert hatte.
Die politische Botschaft ist klar: Photovoltaik-Anlagen sollen künftig auf Eigenverbrauch ausgerichtet werden, nicht auf maximale Einspeisung. Der SFV kritisiert das scharf und warnt vor einem erneuten Ausbauknick vergleichbar mit dem sogenannten Altmaier-Knick von 2012, als der jährliche Photovoltaik-Zubau von fast 8 GWp auf unter 2 GWp einbrach.
Diese Kritik ist berechtigt — aber sie trifft nicht das Geschäftsmodell moderner PV-Anlagen. Sie trifft ein Modell, das längst überholt ist.
Warum das Studienszenario nicht der Realität entspricht
Das Forschungsinstitut Aquu hat gerechnet, was passiert, wenn eine 10-kWp-Anlage ohne Speicher, ohne Wärmepumpe, ohne Wallbox und ohne Lastverschiebung betrieben wird und der überschüssige Strom nicht mehr vergütet wird. Ergebnis: Amortisationszeit über 30 Jahre, wirtschaftlich nicht darstellbar.
Das Szenario ist rechnerisch korrekt. Aber es beschreibt eine Anlage, die heute nicht mehr dem Stand der Technik entspricht. Der eigentliche Vergleich ist ein anderer: Eigenverbrauch schlägt Einspeisung schon heute um den Faktor 4 bis 5. Der Netzstrompreis liegt bei über 37 Cent pro Kilowattstunde. Die Einspeisevergütung lag zuletzt bei rund 7 bis 8 Cent pro Kilowattstunde. Das EEG 2027 verändert diese Grundrechenart nicht — es macht sie zwingend.
Eigenverbrauch und Sektorkopplung: die Antwort auf EEG 2027
Wer eine PV-Anlage heute oder ab 2027 mit konsequenter Eigenverbrauchsstrategie plant, ändert das Ergebnis grundlegend. Die relevanten Hebel:
Batteriespeicher
Ein Batteriespeicher mit 10 kWh Kapazität erhöht die Eigenverbrauchsquote von 25 bis 35 Prozent auf 60 bis 80 Prozent. Die SFV-Studie belegt das selbst: Dieselbe 10-kWp-Anlage mit 10-kWh-Speicher amortisiert sich auch unter EEG 2027 noch nach 15 Jahren. Ohne jede Vergütung verlängert sich die Amortisation auf 18 bis 20 Jahre, bleibt aber grundsätzlich darstellbar.
Wärmepumpe
Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe erzeugt aus einer Kilowattstunde Strom etwa vier Kilowattstunden Wärme. Sie ist damit einer der effizientesten Abnehmer für Solarüberschüsse. Rund 25 Prozent des Jahresstrombedarfs einer Wärmepumpe lassen sich über die eigene PV-Anlage decken. Kombiniert mit einem Batteriespeicher steigt dieser Anteil deutlich.
Wallbox und Elektromobilität
Für Unternehmen mit eigenem Fuhrpark ist die Kombination aus PV-Anlage und Wallbox der direkteste Weg zu echten Kosteneinsparungen. Solarstrom, der tagsüber erzeugt und direkt in Fahrzeuge geladen wird, ersetzt Netzstrom zu über 37 Cent durch Eigenproduktion zu unter 8 Cent pro Kilowattstunde.
Lastverschiebung und Energiemanagement
Industrielle Verbraucher, Klimaanlagen, Kühlsysteme, Produktionsanlagen — all das lässt sich mit einem intelligenten Energiemanagementsystem auf Erzeugungsspitzen ausrichten. Die Eigenverbrauchsquote steigt, die Netzstrombezugskosten sinken.
Was die SFV-Studie selbst belegt: Mehrfamilienhäuser rechnen sich
Interessanterweise widerlegt die SFV-Studie ihre eigene Alarmbotschaft teilweise selbst. Für eine 25-kWp-Anlage auf einem Mehrfamilienhaus mit 20 Wohneinheiten, Wärmepumpe und Einzählermodell zeigt die Simulation durchweg gute wirtschaftliche Ergebnisse. Der Grund: hoher Eigenverbrauch vor Ort. Die Wirtschaftlichkeit stützt sich primär auf die Ersparnis beim Strombezug, nicht auf Einspeisevergütung.
Was das für Unternehmen und Fuhrparkbetreiber bedeutet
Erstens: PV-Anlagen ohne Eigenverbrauchskonzept gehören nicht mehr in eine Wirtschaftlichkeitsrechnung.
Zweitens: Die Wirtschaftlichkeit liegt im Eigenverbrauch. Schon heute ist Eigenverbrauch viermal wertvoller als Einspeisung.
Drittens: Anlagen, die bis Ende 2026 in Betrieb gehen, sichern sich 20 Jahre garantierte Einspeisevergütung.
Viertens: Für Unternehmen mit Fuhrpark ist die Kombination aus PV-Dachanlage und Wallbox-Infrastruktur das wirtschaftlich stärkste Argument.
Fazit: Das EEG 2027 erzwingt, was längst Praxis sein sollte
Das EEG 2027 erzwingt den Paradigmenwechsel, der technisch und wirtschaftlich längst überfällig ist: weg von der Einspeisung als Primärziel, hin zu Eigenverbrauch, Sektorkopplung und Lastverschiebung als Kern jedes PV-Konzepts.
Häufige Fragen zum EEG 2027
Macht das EEG 2027 private PV-Anlagen wirklich unwirtschaftlich?
Nicht automatisch. Eine PV-Anlage ohne Batteriespeicher, ohne Sektorkopplung und ohne Eigenverbrauchsstrategie wird unter EEG 2027 tatsächlich unwirtschaftlich — die Amortisationszeit steigt laut SFV-Studie auf über 30 Jahre. Eine Anlage mit Speicher, Wärmepumpe, Wallbox und konsequentem Eigenverbrauchskonzept bleibt dagegen wirtschaftlich und amortisiert sich weiterhin in 15 bis 20 Jahren.
Was ändert sich konkret ab 1. Januar 2027?
Die feste Einspeisevergütung für neue PV-Anlagen bis 25 kWp entfällt ersatzlos. Lediglich eine auf 30 Monate befristete Netzbetreiberabnahme zum aktuellen Marktwert von etwa 3,5 Cent pro Kilowattstunde bleibt. Wer danach Strom ins Netz einspeist, erhält keine Vergütung mehr. Bestehende Anlagen, die bis Ende 2026 in Betrieb gehen, behalten ihre 20-jährige garantierte Einspeisevergütung.
Wie viel wertvoller ist Eigenverbrauch gegenüber Einspeisung?
Deutlich wertvoller. Der aktuelle Netzstrompreis liegt bei über 37 Cent pro Kilowattstunde. Die bisherige Einspeisevergütung lag bei 7 bis 8 Cent pro Kilowattstunde. Ab 2027 steigt dieser Vorteil weiter, weil für Einspeisung nach 30 Monaten gar nichts mehr gezahlt wird.
Welche Eigenverbrauchsquote erreiche ich mit Batteriespeicher?
Ein Batteriespeicher mit 5 bis 10 kWh Kapazität erhöht die Eigenverbrauchsquote von 25 bis 35 Prozent auf 60 bis 80 Prozent. Mit zusätzlicher Sektorkopplung — Wärmepumpe, Wallbox, Lastverschiebung — sind Eigenverbrauchsquoten von über 90 Prozent erreichbar.
Lohnt sich eine PV-Anlage für Unternehmen mit Elektrofahrzeugflotte?
Ja, besonders stark. Solarstrom, der direkt in Fahrzeuge geladen wird, ersetzt Netzstrom zu über 37 Cent pro Kilowattstunde durch Eigenproduktion zu unter 8 Cent pro Kilowattstunde.
Sollte ich noch 2026 eine PV-Anlage in Betrieb nehmen?
Wer bis Ende 2026 eine Anlage in Betrieb nimmt, sichert sich 20 Jahre garantierte Einspeisevergütung zu aktuell 7,78 Cent pro Kilowattstunde. Ab 2027 entfällt diese Garantie.
Was passiert mit Strom, der nach 30 Monaten ins Netz eingespeist wird?
Er wird dem Netzbetreiber unentgeltlich überlassen. Das macht konsequente Eigenverbrauchsoptimierung zur wirtschaftlichen Pflicht.



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