Die Bundesregierung kann nicht beziffern, was die gesetzliche Biotreppe ab 2029 kosten wird. Das zeigt ihre eigene Antwort auf eine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion. Jedes Unternehmen, das jetzt eine neue Gasheizung plant, trägt damit ein echtes Kalkulationsrisiko.
Kalkulationsrisiko Gasheizung Unternehmen: Was die Bundesregierung einräumt
Die Bundesregierung räumt in ihrer Antwort offen ein: Prognosen zu Nachfrage, Verfügbarkeit und Preisen grüner Gase gelten als unsicher. Diese Formulierung stammt direkt aus der Antwort auf die Anfrage der Grünen-Fraktion, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet. Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages hat die verfügbaren Zahlen zusammengetragen. Die Spannbreite ist erheblich:
- Biomethan aus deutscher Produktion: 80 bis 120 Euro pro Megawattstunde
- International gehandeltes Biomethan: 40 bis 50 Euro pro Megawattstunde
- Grüner Wasserstoff aus deutscher Produktion: rund 8 Euro pro Kilogramm
- Importierter grüner Wasserstoff: 5 bis 6 Euro pro Kilogramm
Diese Differenz zahlen Betriebe mit, sobald das inländische Angebot knapp wird. Und knapp bleibt es, weil Industrie, Stromerzeugung und Verkehr um dieselben begrenzten Mengen konkurrieren. Bioöl aus Altspeiseöl und tierischen Fetten unterliegt derselben Logik. Der Rohstoff wird bereits heute anderweitig genutzt. Steigt der Bedarf durch die Biotreppe, steigt zwangsläufig auch hier der Preis.
Warum das Risiko für Unternehmen größer ist als für Privathaushalte
Unternehmen mit eigenen Gewerbeimmobilien tragen das Biotreppe-Risiko potenziert, nicht einfach. Sie planen häufig mehrere Standorte gleichzeitig. Zusätzlich binden sie sich über Berichtspflichten an die einmal getroffene Entscheidung. Eine neue Gasheizung bindet den Betreiber für 15 bis 20 Jahre an die Kostendynamik der Biotreppe. Unter der CSRD müssen berichtspflichtige Unternehmen die direkten Emissionen ihrer Betriebsgebäude als Scope-1-Emissionen ausweisen. Zusätzlich verschärft der europäische Emissionshandel ETS2 ab 2027 die Kostenlage für fossile Brennstoffe in Gebäuden und Fuhrpark. Wer heute in eine fossile Heizung investiert, addiert zwei strukturell wachsende Kostenblöcke. Die Biotreppe selbst und der CO2-Preis wirken dabei gleichzeitig. Bei mehreren Standorten multipliziert sich dieser Effekt entsprechend der Anzahl der Immobilien.

Was die Zahlen aus der Wissenschaft zeigen
Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme hat im Juni 2026 eine Kurzstudie veröffentlicht. Im Auftrag der MVV Energie AG verglich sie die Jahresgesamtkosten verschiedener Heiztechnologien über 20 Jahre. Das Ergebnis: Wärmepumpe und Fernwärme liegen in der Regel deutlich günstiger als eine Gasheizung mit Biotreppe. Beim Einfamilienhaus beträgt die mögliche Kostendifferenz bis zu 49.000 Euro. Diese Zahl stammt aus einer privaten Beispielrechnung. Bei einer Gewerbeimmobilie mit höherem Verbrauch skaliert der Effekt entsprechend. Die zugrunde liegende Preislogik bleibt identisch. Auch die dena-Studie 2026 warnt: Das inländische Biomethan-Potenzial deckt langfristig nur einen Bruchteil des Bedarfs. Wärmepumpen erreichen dagegen in Feldstudien Jahresarbeitszahlen bis 5,4, auch in ungedämmten Altbauten. Wer diese Zahlen kennt, trifft die Investitionsentscheidung mit einer belastbareren Grundlage. Die Alternative ist die Hoffnung auf dauerhaft günstiges Biomethan.
Kalkulationsrisiko Gasheizung Unternehmen: Die richtige Frage vor der Investition
Eine einzige Frage klärt viel: Wie hoch ist der ab 2029 vorgeschriebene Bioanteil bereits eingepreist? Diese Frage stellt man kostenlos beim Installationsbetrieb. Die Antwort zeigt, ob das Angebot realistisch kalkuliert ist. Oder ob es auf der stillen Annahme beruht, dass grüne Brennstoffe dauerhaft günstig bleiben. Für Gewerbeimmobilien empfehlen sich zusätzlich diese Prüfschritte:
- Vollständigen TCO-Vergleich über 15 bis 20 Jahre verlangen, nicht nur den Anschaffungspreis
- Vertragliche Bindungsdauer und Ausstiegsoptionen genau prüfen
- Contracting-Modelle als Alternative zur Eigeninvestition einholen
- ESG-Berichtspflicht und Scope-1-Wirkung der Heizungsentscheidung einbeziehen

Fazit
Kalkulationssicherheit gibt es bei einer neuen Gasheizung derzeit nicht. Das räumt die Bundesregierung selbst ein. Wer trotzdem investiert, sollte die Biotreppe-Kosten explizit einfordern. Wärmepumpe und Fernwärme bieten dagegen eine Kostenbasis, die sich heute schon durchrechnen lässt. Genau diese Unsicherheit ist das eigentliche Problem beim Kalkulationsrisiko der Gasheizung. Betriebe treffen eine 15 bis 20 Jahre bindende Investitionsentscheidung auf unsicherer Zahlenbasis. Wer stattdessen auf Wärmepumpe und eigene Photovoltaik setzt, ersetzt diese Unsicherheit. An ihre Stelle tritt eine Kostenbasis, die sich mit eigenen Verbrauchsdaten durchrechnen lässt. Mit dem Heizkostenrechner lassen sich Gas, Wärmepumpe und weitere Systeme für die eigene Immobilie direkt vergleichen. Wer den Eigenverbrauch zusätzlich mit einer Photovoltaikanlage absichert, reduziert die Abhängigkeit von beiden Preisrisiken gleichzeitig.
Weiterführende Beiträge:
ETS2 ab 2027: Erfolgsstrategien für Unternehmen
Gasheizung Biomethan: Warum die Bio-Treppe scheitert
GModG 2026: Wärmepumpe schlägt Biomethan-Pfad
Häufige Fragen zu Kalkulationsrisiko Gasheizung Unternehmen
Was ist die Biotreppe im Gebäudemodernisierungsgesetz GModG?
Die Biotreppe ist eine ab 2029 geltende Pflicht, neu eingebauten Gas- und Ölheizungen einen steigenden Anteil klimafreundlicher Brennstoffe beizumischen. Der Anteil beginnt bei 10 Prozent und steigt bis 2040 auf 60 Prozent.
Warum kann die Bundesregierung die Kosten der Biotreppe nicht beziffern?
Laut eigener Antwort auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion sind Prognosen zu Nachfrage, Verfügbarkeit und Preisen grüner Gase mit großen Unsicherheiten behaftet. Das berichtet die Nachrichtenagentur AFP.
Wie teuer ist Biomethan im Vergleich zu Erdgas?
In Deutschland produziertes Biomethan kostet 80 bis 120 Euro pro Megawattstunde. International gehandeltes Biomethan liegt bei 40 bis 50 Euro pro Megawattstunde.
Wie stark verteuert der Iran-Krieg aktuell die Gaspreise?
Der Krieg im Iran und die Blockade der Straße von Hormus verknappen das weltweite Angebot an Flüssigerdgas. Kurzfristige Lieferungen gehen bevorzugt nach Asien, was die Preise in Europa zusätzlich unter Druck setzt.
Was kostet grüner Wasserstoff im Vergleich zu Importware?
Grüner Wasserstoff aus deutscher Produktion kostet aktuell rund 8 Euro pro Kilogramm. Importierter Wasserstoff über Pipeline oder Schiff liegt bei 5 bis 6 Euro pro Kilogramm.
Wie lange bindet eine neue Gasheizung ein Unternehmen an die Biotreppe-Kosten?
Eine neue Gasheizung bindet den Betreiber für 15 bis 20 Jahre an die Kostendynamik der Biotreppe und an den parallel steigenden CO2-Preis durch ETS2.
Welche Rolle spielt die CSRD-Berichtspflicht bei der Heizungsentscheidung?
Berichtspflichtige Unternehmen müssen die direkten Emissionen ihrer Betriebsgebäude als Scope-1-Emissionen ausweisen. Eine neue Gas- oder Ölheizung erhöht diese Emissionen für 15 bis 20 Jahre.
Wie viel teurer ist eine Gasheizung mit Biotreppe gegenüber einer Wärmepumpe?
Eine Fraunhofer-ISE-Kurzstudie im Auftrag der MVV Energie AG beziffert die mögliche Mehrkostendifferenz über 20 Jahre bei einem Einfamilienhaus auf bis zu 49.000 Euro gegenüber Wärmepumpe oder Fernwärme.
Reicht das inländische Biomethan-Potenzial für die Biotreppe aus?
Laut dena-Studie 2026 deckt das inländische Potenzial aus Abfall- und Reststoffen langfristig nur einen Bruchteil des Bedarfs. Industrie, Stromerzeugung und Verkehr konkurrieren zusätzlich um dieselben Mengen.
Welche Frage sollten Unternehmen vor einer neuen Gasheizung stellen?
Wie hoch ist der ab 2029 gesetzlich vorgeschriebene Bioanteil bereits in der aktuellen Betriebskostenrechnung eingepreist? Diese Frage klärt, ob das Angebot realistisch kalkuliert ist.
Welche Jahresarbeitszahlen erreichen Wärmepumpen in der Praxis?
Feldstudien des Fraunhofer ISE zeigen Jahresarbeitszahlen bis 5,4, auch in ungedämmten Altbauten. Das widerlegt die Annahme, Wärmepumpen würden nur in sanierten Neubauten funktionieren.
Gilt die Biotreppe auch für bestehende Gasheizungen?
Nein. Die Biotreppe betrifft ausschließlich neu eingebaute Gas- und Ölheizungen ab 2029. Bestehende Anlagen genießen Bestandsschutz und sind nicht zur Biomethan-Beimischung verpflichtet.


