Der Experte für Energie und Elektromobilität | energiefahrer.de
E-Auto Sicherheit im Fuhrpark: 5 Handlungsfelder
+ Elektromobilität 11 Min. Lesezeit

E-Auto Sicherheit im Fuhrpark: 5 Handlungsfelder

Harald M. Depta 2. Juli 2026 Aktualisiert: Juli 2026
Harald M. Depta
Harald M. Depta
Projektmanager & DEKRA-Fachdozent · Photovoltaik, Elektromobilität & Ladeinfrastruktur
Auf einen Blick

Die UDV-Studie 2026 analysierte knapp 500 schwere Unfälle und verglich E-Autos mit baugleichen Verbrennern. Ergebnis: Die Schadenhäufigkeit von E-Fahrzeugen ist nahezu unauffällig. Zum 1. Januar 2026 waren rund zwei Millionen E-Fahrzeuge in Deutschland zugelassen – das entspricht vier Prozent aller Pkw. Dennoch zeigen sich spezifische Unfallmuster. Bei Niedriggeschwindigkeit verunglücken Fußgänger mit E-Autos häufiger als mit Verbrennern, weil das AVAS-Geräusch unter 20 km/h offenbar nicht ausreicht. Hinweise auf Pedalverwechslung beim One Pedal Drive betreffen vor allem Fahrer über 75 Jahre. E-Autofahrer fahren gleichzeitig risikoärmer: weniger Kontrollverluste, weniger Alkohol- und Drogenunfälle. E-Auto Sicherheit ist damit keine Frage von Ja oder Nein. Sie ist eine Managementaufgabe. Für Fuhrparkmanager entstehen fünf Handlungsfelder: Fahrereinweisung, Assistenzsystem-Mindestausstattung, Fahrzeugkonfigurationsprofil, AVAS-Prüfung und Versicherungsoptimierung.

E-Auto Sicherheit gehört zu den wichtigsten Entscheidungsfeldern bei der Fuhrparkelektrifizierung. Viele Flottenverantwortliche fragen, ob elektrische Fahrzeuge mehr Unfallrisiken tragen als Verbrenner. Diese Frage ist berechtigt, gerade wenn Fahrer unterschiedlichen Alters in einer Flotte unterwegs sind. Eine aktuelle Studie der Unfallforschung der Versicherer (UDV) liefert jetzt verlässliche Daten auf Basis von knapp 500 schweren Unfällen.

Das Ergebnis: E-Autos sind insgesamt so sicher wie vergleichbare Verbrenner. Dennoch zeigen sich bei langsamer Fahrt spezifische Unfallmuster. Diese haben direkte Konsequenzen für Fuhrparkmanager.

Was die UDV-Studie 2026 belegt

Datengrundlage und Methodik

Die Unfallforschung der Versicherer (UDV) wertete knapp 500 schwere Unfälle aus der Versicherer-Unfalldatenbank aus. Dabei verglich sie E-Autos mit baugleichen Verbrennern in mehreren Fahrzeugklassen: von Minis über Klein- und Kompaktklassewagen bis zur Oberklasse. Ergänzend flossen eine Literaturrecherche und eine Onlinebefragung von 238 Testpersonen ein. Das zentrale Ergebnis: Die Schadenhäufigkeit von E-Autos ist nahezu unauffällig.

Zum 1. Januar 2026 waren rund zwei Millionen E-Fahrzeuge in Deutschland zugelassen. Das entspricht etwa vier Prozent aller Pkw. Laut Prognose des Gesamtverbands der Versicherer könnten bis 2040 rund 60 Prozent aller Pkw elektrisch angetrieben sein. Die Stichprobe bildet nicht das gesamte Unfallgeschehen ab. Sie gibt jedoch wichtige Hinweise auf strukturelle Unterschiede zwischen den Antriebsarten. Für Flottenentscheider ist diese Datenbasis die aktuell belastbarste verfügbare Grundlage.

LADEINFRASTRUKTUR LÖSUNGEN vom EXPERTEN

Fußgänger nehmen E-Autos schlechter wahr

Der auffälligste Befund der Studie betrifft Unfälle bei sehr langsamer Fahrt. Fußgängerunfälle mit E-Autos ereignen sich häufiger als mit vergleichbaren Verbrennern. Sie konzentrieren sich auf das Anfahren aus dem Stand, das Rückwärtsfahren und das Abbiegen bei Dämmerung oder Dunkelheit. Der Grund: E-Autos bewegen sich im Niedriggeschwindigkeitsbereich nahezu lautlos.

AVAS – das Pflichtgeräusch unter 20 km/h

Seit 2021 schreibt die EU vor, dass E-Fahrzeuge unter 20 km/h ein künstliches Fahrgeräusch erzeugen müssen. Das sogenannte Acoustic Vehicle Alerting System (AVAS) ist gesetzlich vorgeschrieben. Die UDV-Studie zeigt jedoch: Das Geräusch ist offenbar nicht laut genug oder lässt sich nicht eindeutig einem Fahrzeug zuordnen. Die UDV empfiehlt deshalb, AVAS-Geräusche klarer als Pkw-Geräusch erkennbar zu gestalten. Außerdem sollte ein gut wahrnehmbares Signal für den Fahrbetrieb existieren.

Darüber hinaus kann aktive Sicherheitstechnik Unfälle beim Anfahren verhindern. Totwinkelassistenten, Querverkehrswarner und automatisches Notbremssystem leisten dabei konkrete Schutzwirkung. Fuhrparkmanager sollten daher beim Fahrzeugkauf gezielt auf AVAS-Qualität und auf die Ausstattung mit Assistenzsystemen für den Langsamfahrtbereich achten. Diese Punkte gehören in jede Fahrzeugspezifikation für den gewerblichen Einsatz.

Werden Sie: DEKRA zertifizierte/r Projektmanager/in Photovoltaik

One Pedal Drive – Bedienkomfort mit Tücken

Die Studie liefert außerdem Hinweise auf häufigere Unfälle durch Fahrzeugfehlbedienung. Diese treten vor allem beim Anfahren aus dem Stand auf. Besonders betroffen sind Fahrzeuge mit sogenanntem One Pedal Drive.

Pedalverwechslung in Stresssituationen

Beim One Pedal Drive steuert der Fahrer das Fahrzeug weitgehend über ein Pedal: Fuß senken beschleunigt, Fuß heben bremst durch Rekuperation. Die UDV vermutet, dass die Gewöhnung an diese Fahrweise in Notsituationen eine Pedalverwechslung begünstigen kann. Besonders betroffen sind ältere Fahrer: Fast jeder zweite Verunfallte in dieser Unfallkategorie war älter als 75 Jahre.

Für Fuhrparkverantwortliche entstehen daraus konkrete Aufgaben. Viele Hersteller ermöglichen es, die Rekuperationsstärke zu reduzieren oder abzuschalten. Eine Car Policy legt fest, ob One Pedal Drive aktiviert oder deaktiviert geliefert wird. Außerdem gehört das Thema in jede Fahrereinweisung für Neueinsteiger in die Elektromobilität. Wer das bisher nicht adressiert, sollte jetzt handeln.

Wo E-Autos klar besser abschneiden

Die UDV-Studie weist nicht nur auf Schwachstellen hin. Sie belegt auch deutliche Stärken der Elektromobilität. E-Autofahrer fahren im Durchschnitt weniger riskant als Fahrer von Verbrennern. Sie verlieren seltener die Kontrolle über das Fahrzeug. Darüber hinaus verursachen sie weniger Alkohol- und Drogenunfälle. Dieses Fahrverhalten wirkt sich positiv auf die Schadenstatistik aus und kann Versicherungskonditionen verbessern.

Kleine E-Autos bieten zudem einen Vorteil beim Insassenschutz. Der Grund ist ihr höheres Fahrzeuggewicht durch die Antriebsbatterie. Schwerere Fahrzeuge schützen Insassen bei Aufprallunfällen in der Regel besser. Allerdings erhöhen große Gewichtsunterschiede das Verletzungsrisiko für Unfallgegner. Diesen Aspekt – den Partnerschutz – adressiert die UDV als weiteres Forschungsfeld. Die Gesamtbilanz der E-Auto Sicherheit ist dennoch klar positiv. Fuhrparkmanager können aus diesem Befund belastbare Argumente für die Flottenelektrifizierung ableiten.

Was Fuhrparkmanager zur E-Auto Sicherheit wissen müssen

Die UDV-Studie liefert keine Absage an die Flottenwende. Sie liefert jedoch klare Stellschrauben für professionelle Flottenverantwortliche.

Fünf Handlungsfelder für den Gewerbefuhrpark

Erstens: Fahrereinweisungen um One Pedal Drive ergänzen. Wer Fahrern erklärt, wie Rekuperation in Stresssituationen wirkt, senkt Bedienrisiken deutlich. Zweitens: Assistenzsysteme als Mindestausstattung definieren. Totwinkelassistent, Querverkehrswarner und automatisches Notbremssystem gehören deshalb in jede Fahrzeugspezifikation. Drittens: Fahrzeugkonfigurationsprofil festlegen. Die Frage, ob One Pedal Drive aktiviert oder deaktiviert geliefert wird, beantwortet die Car Policy. Viertens: AVAS-Qualität im Lieferprozess testen.

Ein kurzer Praxistest im Langsamfahrtbereich zeigt, ob das Fahrzeug akustisch ausreichend wahrnehmbar ist. Fünftens: Versicherungskonditionen überprüfen. Das sicherere Fahrverhalten von E-Autofahrern kann sich positiv auf Schadenquoten auswirken. Diese Maßnahmen sind nicht aufwendig. Sie erfordern Systematik, keine umfangreichen Investitionen. Wer Fahrzeugwahl, Fahrereinweisung und Ladeinfrastruktur getrennt betrachtet, verliert die Systemwirkung aus dem Blick. Daher gehört ein integriertes Fuhrparkkonzept zur Grundlage jeder professionellen Flottenstrategie.

Fazit: E-Auto Sicherheit als Managementaufgabe

E-Auto Sicherheit ist kein Argument gegen die Flottenwende. Die UDV-Studie 2026 bestätigt: Elektrofahrzeuge sind insgesamt so sicher wie Verbrenner. Die identifizierten Unfallmuster – Fußgängerrisiken bei Niedriggeschwindigkeit und Bedienrisiken bei One Pedal Drive – sind konkret adressierbar. Sie erfordern jedoch aktives Management auf Fuhrparkebene. Wer das ignoriert, verschenkt Sicherheitspotenzial. Wer es adressiert, macht aus der Flottenelektrifizierung auch eine Sicherheitsstrategie. Wer E-Fahrzeuge beschafft, ohne Fahrereinweisung und Fahrzeugkonfiguration einzubeziehen, verschenkt Sicherheitspotenzial.

Ein strukturiertes Fuhrparkkonzept verbindet Fahrzeugwahl, Ladeinfrastruktur und Fahrereinweisung als Einheit. Markenunabhängige Unterstützung dafür bietet energiefahrer.de. Passende Leistungen: Fuhrparkmanagement Elektromobilität, gewerbliche Ladeinfrastruktur und der DEKRA-Kurs Fuhrparkmanager für Fachleute, die strukturiertes Wissen für den E-Fuhrpark aufbauen wollen.

Weitere Beiträge zum Thema

KI im Auto 2026: Was Entscheider jetzt wissen müssen
Energiekosten Fuhrpark: Resilienz durch Elektroflotten
Alternative zur Ladekarte: Laden ohne Kartenchaos

Quellen: UDV/GDV (Unfallforschung der Versicherer im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft): E-Autos insgesamt sicher – aber mit besonderen Unfallmustern. gdv.de, 30. Juni 2026.

Kosten senken, Wert steigern, Klima schützen mit PV Expertise von energiefahrer

Häufige Fragen zur E-Auto Sicherheit

Sind E-Autos sicherer als Verbrenner?

E-Autos sind insgesamt so sicher wie vergleichbare Verbrennerfahrzeuge. Die UDV-Studie 2026 wertete knapp 500 schwere Unfälle aus und stellte eine nahezu unauffällige Schadenhäufigkeit bei E-Fahrzeugen fest. Bei bestimmten Unfallmustern – vor allem bei Niedriggeschwindigkeit – zeigen sich Unterschiede, die durch geeignete Fahrzeugausstattung und Fahrereinweisung reduziert werden können.

Was belegt die UDV-Studie 2026 zur E-Auto Sicherheit?

Die Studie der Unfallforschung der Versicherer (UDV) analysierte knapp 500 schwere Unfälle aus der Versicherer-Unfalldatenbank. E-Autos wurden mit baugleichen Verbrennern aus mehreren Fahrzeugklassen verglichen. Ergebnis: Die Schadenhäufigkeit ist nahezu identisch. Bei Fußgängerunfällen im Niedriggeschwindigkeitsbereich und bei One Pedal Drive-Fahrzeugen treten jedoch auffällige Unfallmuster auf.

Warum verunglücken Fußgänger mit E-Autos häufiger als mit Verbrennern?

E-Autos bewegen sich im Niedriggeschwindigkeitsbereich nahezu lautlos. Fußgänger nehmen sie beim Anfahren, Rückwärtsfahren und Abbiegen schlechter wahr. Das AVAS (Acoustic Vehicle Alerting System) – seit 2021 Pflicht unter 20 km/h – reicht laut UDV offenbar nicht aus. Die Geräusche lassen sich nicht eindeutig einem Fahrzeug zuordnen oder sind nicht laut genug.

Was ist AVAS und welche Anforderungen gelten für E-Autos?

AVAS steht für Acoustic Vehicle Alerting System. Seit 2021 schreibt die EU vor, dass E-Fahrzeuge bei Geschwindigkeiten unter 20 km/h ein künstliches Fahrgeräusch erzeugen müssen. Das Geräusch soll Fußgänger auf das Fahrzeug aufmerksam machen. Die UDV empfiehlt, AVAS-Geräusche klarer als Pkw-Geräusch erkennbar zu machen und die Lautstärke zu erhöhen.

Was ist One Pedal Drive und welche Unfallrisiken entstehen dabei?

One Pedal Drive ist eine Fahrfunktion, bei der das Fahrzeug überwiegend über ein Pedal gesteuert wird. Fuß senken beschleunigt, Fuß heben bremst durch Rekuperation. Die UDV-Studie zeigt Hinweise darauf, dass die Gewöhnung an diese Fahrweise in Notsituationen eine Pedalverwechslung begünstigen kann. Besonders betroffen sind Fahrer über 75 Jahre – fast jeder Zweite in dieser Unfallkategorie gehörte zu dieser Altersgruppe.

Was sollten Fuhrparkmanager zur E-Auto Sicherheit konkret umsetzen?

Fünf Maßnahmen sind zentral: Erstens Fahrereinweisung um One Pedal Drive ergänzen. Zweitens Assistenzsysteme wie Totwinkelassistent, Querverkehrswarner und automatisches Notbremssystem als Mindestausstattung definieren. Drittens Fahrzeugkonfigurationsprofil für One Pedal Drive in der Car Policy festlegen. Viertens AVAS-Qualität im Lieferprozess testen. Fünftens Versicherungskonditionen auf Basis der niedrigeren Schadenhäufigkeit von E-Autofahrern neu verhandeln.

Fahren E-Autofahrer risikoärmer als Verbrennerfahrer?

Ja, laut UDV-Studie 2026. E-Autofahrer verlieren seltener die Kontrolle über das Fahrzeug und verursachen weniger Alkohol- und Drogenunfälle als Verbrennerfahrer. Dieses Fahrverhalten wirkt sich positiv auf die Schadenstatistik aus und kann für Fuhrparks bessere Versicherungskonditionen ermöglichen.

Wie viele E-Autos sind aktuell in Deutschland zugelassen?

Zum 1. Januar 2026 waren rund zwei Millionen E-Fahrzeuge in Deutschland zugelassen. Das entspricht etwa vier Prozent aller Pkw. Laut Prognose des Gesamtverbands der Versicherer könnten bis 2040 rund 60 Prozent aller Pkw elektrisch angetrieben sein.

Schützen E-Autos ihre Insassen besser als Verbrenner?

Kleine E-Autos bieten laut UDV-Studie einen Vorteil beim Insassenschutz gegenüber vergleichbaren Verbrennern. Der Grund ist ihr höheres Fahrzeuggewicht durch die Antriebsbatterie. Bei Unfällen sind Insassen schwererer Fahrzeuge in der Regel besser geschützt. Die Studie weist jedoch auch auf den Partnerschutz hin: Große Gewichtsunterschiede können das Verletzungsrisiko für Unfallgegner erhöhen.

Bedeutet die UDV-Studie ein Argument gegen die Fuhrparkelektrifizierung?

Nein. Die UDV-Leiterin hält fest: Die Ergebnisse sind kein Argument gegen Elektromobilität. Die Gesamtschadensbilanz von E-Autos ist unauffällig. Die identifizierten Unfallmuster – Fußgängerrisiken bei Niedriggeschwindigkeit und Bedienrisiken bei One Pedal Drive – sind mit konkreten Maßnahmen auf Fuhrparkebene adressierbar.

Harald M. Depta
Über den Autor
Harald M. Depta
Projektmanager & DEKRA-Fachdozent · energiefahrer.de
DEKRA TÜV NORD HWK BAFA

Unabhängiger Berater, Projektplaner und Fachdozent für Photovoltaik, Elektromobilität, Ladeinfrastruktur, Fuhrparkmanagement und ESG. Zertifiziert durch DEKRA, TÜV NORD, HWK und BAFA. Lehrtätigkeit für TÜV NORD und DEKRA. Inhaber von energiefahrer.de mit Sitz in Sundern im Sauerland.

Kommentare

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*