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Gasnetz-Stilllegung: PV und Wärmepumpe als Plan
+ Energie und Energiewende 9 Min. Lesezeit

Gasnetz-Stilllegung: PV und Wärmepumpe als Plan

Harald M. Depta 28. Juni 2026 Aktualisiert: Juni 2026
Harald M. Depta
Harald M. Depta
Projektmanager & DEKRA-Fachdozent · Photovoltaik, Elektromobilität & Ladeinfrastruktur
Auf einen Blick

Die Gasnetz-Stilllegung nimmt konkrete Form an. Acht Großstädte planen, ihre Gasnetze bis 2045 weitgehend stillzulegen, Mannheim und Stuttgart bereits 2035. Die kommunale Wärmeplanung zeigt, wo Gas keine Zukunft hat. Die EnWG-Novelle hebt zudem den Anspruch auf einen Gasanschluss auf. Für Unternehmen ist das eine strategische Frage. Eine neue Gasheizung hält 20 bis 30 Jahre und überschreitet damit den Stilllegungshorizont vieler Netze. Hinzu kommt ein Kostenrisiko: Sinkt die Zahl der Gaskunden, steigen die Netzentgelte für die übrigen, laut Fraunhofer bis zu 4.000 Euro pro Jahr ab 2040. Die Alternative ist praxisreif. Gewerbewärmepumpen liefern bis zu 90 Grad Vorlauf, eigener Solarstrom kostet 6 bis 12 Cent statt rund 27 Cent Netzstrom. Mit Speicher und Energiemanagement sind 60 bis 80 Prozent Eigenverbrauch realistisch. Wer den lokalen Wärmeplan jetzt prüft, plant die Umstellung selbst statt später unter Druck zu reagieren.

Die Gasnetz-Stilllegung ist keine ferne Vision mehr. Acht deutsche Großstädte haben ihre Pläne bereits veröffentlicht. Bis spätestens 2045 sollen viele Gasnetze ganz oder teilweise verschwinden. Mannheim und Stuttgart machen schon 2035 Schluss. Für Unternehmen ist das ein klares Signal. Wer heute in Wärme, Strom und Fuhrpark investiert, legt sich für 20 Jahre fest. Deshalb gehört die Gasnetz-Stilllegung auf jede strategische Agenda. Dieser Beitrag ordnet die Faktenlage ein. Außerdem zeigt er, welche Alternativen für Gewerbe und Industrie heute tragfähig sind.

Gasnetz-Stilllegung: Das ist der aktuelle Stand

Großstädte über 100.000 Einwohner mussten ihre kommunale Wärmeplanung bis Ende Juni 2026 vorlegen. Kleinere Kommunen haben bis 2028 Zeit. Die ersten Pläne zeigen ein einheitliches Bild. Fast alle untersuchten Städte planen eine weitgehende Stilllegung ihres Gasnetzes. Nur Essen prüft die Umrüstung auf Wasserstoff für rund 17 Prozent des Netzes.

In den übrigen Städten gilt Wasserstoff als wirtschaftlich nicht tragbar. Parallel läuft die Novelle des Energiewirtschaftsgesetzes. Sie soll die geordnete Stilllegung rechtlich ermöglichen. Bisher hat jeder Anschlussnehmer ein Recht auf Gas. Künftig entfällt dieser Anspruch. Die EU-Vorgabe muss bis August 2026 in nationales Recht. Deshalb fallen viele Weichenstellungen jetzt.

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Warum die kommunale Wärmeplanung Unternehmen direkt betrifft

Die kommunale Wärmeplanung ist kein verbindlicher Bescheid. Sie ist jedoch das wichtigste Frühwarnsystem. Der Plan zeigt, wo künftig Fernwärme, Wärmenetze oder dezentrale Lösungen vorgesehen sind. Er zeigt außerdem, wo das Gasnetz keine Zukunft hat. Für gewerbliche Standorte ist das eine konkrete Planungsgrundlage.

Wer ein Betriebsgebäude besitzt, sollte den lokalen Wärmeplan prüfen. Liegt der Standort in einem möglichen Rückbaugebiet, ist die nächste Gasheizung eine Fehlinvestition. Eine neue Gastherme hält 20 bis 30 Jahre. Diese Lebensdauer überschreitet den Stilllegungshorizont vieler Netze. Deshalb verschiebt sich die eigentliche Frage. Nicht ob umgestellt wird, sondern wann und wie.

Steigende Netzentgelte: Das unterschätzte Kostenrisiko

Die Stilllegung erzeugt einen wirtschaftlichen Druck, der oft übersehen wird. Mit jedem Anschluss, der das Gasnetz verlässt, steigen die Kosten für die übrigen. Die Fixkosten des Netzes verteilen sich auf weniger Schultern. Eine Fraunhofer-Studie beziffert das Risiko deutlich. Einem typischen Haushalt drohen ab 2040 bis zu 4.000 Euro Mehrkosten pro Jahr.

Diese Logik gilt auch für Betriebe mit hohem Gasverbrauch. Für Unternehmen heißt das: Der reine Gaspreis ist nur ein Teil der Rechnung. Die Netzentgelte werden zum strukturellen Risiko. Wer früh umsteigt, entgeht der Spirale aus sinkender Nachfrage und steigenden Entgelten. Außerdem sichert frühe Planung die besten Förderkonditionen.

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Wärmepumpe, PV und Sektorenkopplung als tragfähige Alternative

Die Alternative zur Gasheizung ist im Gewerbe längst praxisreif. Entscheidend ist die Kombination der Sektoren. Strom, Wärme und Mobilität wachsen zusammen. Genau hier liegt der wirtschaftliche Hebel für Unternehmen.

Wärmepumpe für Raum- und Prozesswärme

Moderne Gewerbewärmepumpen erreichen bis zu 90 Grad Celsius Vorlauftemperatur. Das reicht für Heizung, Warmwasser, Reinigung und viele Prozessschritte. Je nach Anwendung liegt der Bedarf zwischen 40 und 90 Grad. Eine Wärmepumpe erzeugt aus einer Kilowattstunde Strom mehrere Kilowattstunden Wärme. Deshalb sinkt der Primärenergieeinsatz erheblich.

Photovoltaik als Stromquelle

Eigener Solarstrom kostet je nach Anlage 6 bis 12 Cent pro Kilowattstunde. Der Gewerbestrompreis liegt 2026 bei rund 27 Cent. Diese Differenz macht den Eigenverbrauch attraktiv. Eine Wärmepumpe verbraucht tagsüber Strom, genau dann produziert die PV-Anlage. Das erhöht die Eigenverbrauchsquote spürbar.

Speicher und Energiemanagement

Ein Batteriespeicher verschiebt Solarstrom in die Abendstunden. Ein Energiemanagementsystem steuert Wärmepumpe, Ladepunkte und Speicher automatisch. So entsteht ein vernetztes Gesamtsystem. Eigenverbrauchsquoten von 60 bis 80 Prozent sind damit realistisch. Außerdem kappt das System teure Lastspitzen.

Gasnetz-Stilllegung: jetzt vorbereiten statt später reagieren

Die Gasnetz-Stilllegung folgt einem festen Zeitplan. Wer abwartet, verliert Handlungsspielraum. Förderprogramme sind begrenzt, Fachbetriebe sind ausgelastet. Frühe Planung sichert Konditionen und Kapazitäten. Außerdem vermeidet sie Fehlinvestitionen in auslaufende Technik. Der erste Schritt ist eine nüchterne Bestandsaufnahme. Wie hoch ist der Gasverbrauch? Was sagt der lokale Wärmeplan? Welche Dachflächen eignen sich für Photovoltaik? Aus diesen Daten entsteht ein belastbarer Fahrplan. Deshalb lohnt sich die Analyse jetzt, nicht erst beim Defekt der alten Heizung.

Fazit

Die Gasnetz-Stilllegung ist beschlossene Richtung, kein Randthema. Bis 2045 verlieren viele Gasnetze ihre Grundlage. Für Unternehmen bedeutet das Klarheit in eine Richtung. Die Kombination aus Wärmepumpe, Photovoltaik und Energiemanagement ersetzt fossile Wärme wirtschaftlich. Wer jetzt plant, steuert die Umstellung selbst.

Wer wartet, reagiert später unter Druck und zu schlechteren Konditionen. Steht ein Betriebsstandort in einem möglichen Rückbaugebiet, lohnt der frühzeitige Blick auf Alternativen. Eine fundierte Analyse verbindet Wärmebedarf, Dachpotenzial und Fuhrpark zu einem Gesamtkonzept.

Die Wirtschaftlichkeit einer PV-Anlage mit Wärmepumpe lässt sich vorab transparent berechnen: PV-Wirtschaftlichkeit berechnen. Für die strategische Planung von Photovoltaik im Gewerbe sowie den Vergleich von Energie- und Antriebskosten im persönlichen Kostencheck stehen passende Werkzeuge bereit. So wird aus der Pflicht zur Umstellung ein planbarer Vorteil.

Weiterführende Beiträge:

Quellen: Umweltinstitut München / Fraunhofer-Studie zu Netzentgelten; BMWE (Umsetzung EU-Gaspaket, Richtlinie 2024/1788), VKU (Rückstellungen Gasnetz-Stilllegung).

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Häufige Fragen zur Gasnetz-Stilllegung

Was bedeutet die Gasnetz-Stilllegung für mein Unternehmen?

Sie bedeutet, dass das örtliche Gasnetz an Ihrem Standort mittelfristig wegfallen kann. Eine neue Gasheizung hält 20 bis 30 Jahre und überschreitet damit oft den Stilllegungshorizont. Prüfen Sie deshalb den lokalen Wärmeplan, bevor Sie in fossile Wärme investieren.

Bis wann werden Gasnetze in Deutschland stillgelegt?

Viele Städte planen die weitgehende Stilllegung bis spätestens 2045. Einige, etwa Mannheim und Stuttgart, nennen bereits 2035. Der genaue Zeitpunkt ergibt sich aus der kommunalen Wärmeplanung und späteren Stilllegungsplänen des Netzbetreibers.

Ist die kommunale Wärmeplanung rechtlich verbindlich?

Nein. Der Wärmeplan ist ein Strategiepapier, kein Bescheid. Er liefert jedoch das wichtigste Frühsignal, ob ein Gebiet künftig auf Fernwärme, Wärmenetze oder dezentrale Lösungen setzt und ob das Gasnetz eine Perspektive hat.

Habe ich weiterhin Anspruch auf einen Gasanschluss?

Bisher ja. Mit der Novelle des Energiewirtschaftsgesetzes entfällt dieser grundsätzliche Anspruch. Die EU-Richtlinie 2024/1788 muss bis August 2026 in nationales Recht umgesetzt werden. Danach werden geordnete Stilllegungen rechtssicher möglich.

Warum steigen die Gas-Netzentgelte bei sinkender Nachfrage?

Die Fixkosten des Netzes bleiben weitgehend gleich. Verlassen mehr Kunden das Netz, verteilen sich diese Kosten auf weniger Anschlüsse. Eine Fraunhofer-Studie nennt für typische Verbraucher ab 2040 bis zu 4.000 Euro Mehrkosten pro Jahr.

Eignet sich eine Wärmepumpe für Prozesswärme im Betrieb?

In vielen Fällen ja. Moderne Gewerbewärmepumpen erreichen bis zu 90 Grad Celsius Vorlauftemperatur. Das deckt Heizung, Warmwasser, Reinigung und viele Prozessschritte ab. Der typische Bedarf liegt je nach Anwendung zwischen 40 und 90 Grad.

Wie hängen PV-Anlage und Wärmepumpe wirtschaftlich zusammen?

Die Wärmepumpe verbraucht tagsüber Strom, genau dann produziert die PV-Anlage. Eigener Solarstrom kostet 6 bis 12 Cent pro Kilowattstunde gegenüber rund 27 Cent Netzstrom. Das senkt die Wärmekosten und erhöht die Eigenverbrauchsquote.

Was ist Sektorenkopplung und warum lohnt sie sich?

Sektorenkopplung verbindet Strom, Wärme und Mobilität. Solarstrom versorgt Wärmepumpe, Ladeinfrastruktur und Betrieb. Ein Energiemanagementsystem steuert alles automatisch. So entstehen hohe Eigenverbrauchsquoten und geringere Lastspitzen.

Lohnt sich Wasserstoff als Ersatz für das Gasnetz?

Für die meisten Standorte nicht. Nur einzelne Städte wie Essen prüfen die Umrüstung für einen kleinen Netzanteil, dort rund 17 Prozent. In den übrigen Städten gilt Wasserstoff für die Gebäudewärme als wirtschaftlich nicht tragbar.

Was ist der erste Schritt zur Umstellung?

Eine Bestandsaufnahme: Gasverbrauch erfassen, lokalen Wärmeplan prüfen, Dachflächen für PV bewerten. Daraus entsteht ein Fahrplan. Frühe Planung sichert Förderkonditionen und Fachbetriebskapazitäten, bevor die alte Heizung ausfällt.

Harald M. Depta
Über den Autor
Harald M. Depta
Projektmanager & DEKRA-Fachdozent · energiefahrer.de
DEKRA TÜV NORD HWK BAFA

Unabhängiger Berater, Projektplaner und Fachdozent für Photovoltaik, Elektromobilität, Ladeinfrastruktur, Fuhrparkmanagement und ESG. Zertifiziert durch DEKRA, TÜV NORD, HWK und BAFA. Lehrtätigkeit für TÜV NORD und DEKRA. Inhaber von energiefahrer.de mit Sitz in Sundern im Sauerland.

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