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ZEREZ und Momentanreservemarkt: Was PV-Planer wissen müssen
+ Photovoltaik und Solar 11 Min. Lesezeit

ZEREZ und Momentanreservemarkt: Was PV-Planer wissen müssen

Harald M. Depta 9. Juni 2026 Aktualisiert: Juni 2026
Harald M. Depta
Harald M. Depta
Projektmanager & DEKRA-Fachdozent · Photovoltaik, Elektromobilität & Ladeinfrastruktur
Auf einen Blick

ZEREZ ist das Zentrale Register für Einheiten- und Komponentenzertifikate. Seit dem 1. Februar 2025 ist die Nutzung gesetzlich verpflichtend — ohne gültiges ZEREZ-Zertifikat kein Netzanschluss. Seit dem 1. Juni 2026 können im Register auch Zertifikate mit netzbildenden Eigenschaften eingetragen werden. Grundlage ist der finalisierte VDE FNN Hinweis Version 2.1. Die Erweiterung ist Voraussetzung für die Teilnahme am deutschen Momentanreservemarkt, der am 22. Januar 2026 startete. Vergütungen liegen zwischen 76 und 888,50 Euro pro Megawattsekunde und Jahr. Betroffen sind Anlagen in der Mittel-, Hoch- und Höchstspannung nach VDE-AR-N 4110, 4120 und 4130. PV-Planer müssen Komponentenwahl, Zertifizierungsvorlauf und Wirtschaftlichkeit netzbildender Systeme frühzeitig in die Projektplanung integrieren.

Was ist ZEREZ und warum ist es für die Energiewende unverzichtbar?

ZEREZ steht für Zentrales Register für Einheiten- und Komponentenzertifikate. Es ist eine bundesweite digitale Datenbank, in der die technischen Zertifikate von Stromerzeugungsanlagen und ihren Komponenten erfasst werden. Betrieben wird das Register von der FGW e.V. (Fördergesellschaft Windenergie und andere Dezentrale Energien) als beliehener Stelle. Die gesetzliche Grundlage bildet Paragraph 49d des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) in Verbindung mit der Elektrotechnische-Eigenschaften-Nachweis-Verordnung (NELEV).

Einheiten- und Komponentenzertifikate sind Nachweise über die elektrischen Eigenschaften von Erzeugungseinheiten wie Wechselrichtern, Batteriespeichern und Transformatoren. Sie werden von akkreditierten Zertifizierungsstellen ausgestellt und sind Voraussetzung für jeden Netzanschluss ab der Niederspannung. Vor ZEREZ wurden diese Dokumente per Post oder E-Mail zwischen Anlagenbetreibern, Planern, Zertifizierungsstellen und Netzbetreibern ausgetauscht — mit erheblichem Verwaltungsaufwand und Verzögerungen im Netzanschlussprozess.

Seit dem 1. Februar 2025 ist die Nutzung von ZEREZ für Hersteller, Anlagenbetreiber und Netzbetreiber gesetzlich verpflichtend. Anlagen ohne gültiges, im Register hinterlegtes Zertifikat dürfen nicht ans Stromnetz angeschlossen werden. Jeder Eintrag erhält eine eindeutige ZEREZ-ID, über die Netzbetreiber alle relevanten Netzanschlusswerte automatisiert abrufen können — ohne dass Planer oder Betreiber weitere Dokumente übermitteln müssen.

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Die neue Erweiterung: Netzbildende Eigenschaften jetzt im Register

Seit dem 1. Juni 2026 können Hersteller und Zertifizierungsstellen im ZEREZ auch Zertifikate mit netzbildenden Eigenschaften eintragen. Diese Erweiterung ist eine direkte Reaktion auf zwei parallele Entwicklungen: den Start des Momentanreservemarktes in Deutschland zum 22. Januar 2026 und die Finalisierung des VDE FNN Hinweises Version 2.1 „Technische Anforderungen an Netzbildende Eigenschaften inklusive der Bereitstellung von Momentanreserve” am 15. Mai 2026.

Die neue Funktion gilt für Anlagen in der Mittelspannung (VDE-AR-N 4110), der Hochspannung (VDE-AR-N 4120) und der Höchstspannung (VDE-AR-N 4130). Wer einen Eintrag vornehmen will, kann das angepasste Formular vorab ausfüllen, das beim Upload automatisch ausgelesen wird, um Fehleingaben zu minimieren. Die hinterlegten Werte stehen weiterhin über die digitale Schnittstelle (API) zur Verfügung, sodass Netzbetreiber, Zertifizierungsstellen und andere Marktakteure sie automatisiert abrufen können.

Was bedeuten netzbildende Eigenschaften technisch?

Konventionelle Kraftwerke stabilisieren das Stromnetz durch die rotierende Schwungmasse ihrer Synchrongeneratoren. Diese liefern automatisch Momentanreserve: Sie reagieren physikalisch auf Frequenzabweichungen, bevor Regelleistung überhaupt aktiviert wird. Mit dem Abschalten fossiler Kraftwerke fällt diese Trägheit weg — das Netz wird anfälliger für Frequenzsprünge.

Netzbildende Wechselrichter (englisch: grid-forming inverters) können diese Funktion synthetisch nachbilden. Im Unterschied zu den bislang üblichen netzfolgenden Wechselrichtern (grid-following) warten sie nicht auf ein externes Netzfrequenzsignal, sondern bilden selbst eine stabile Spannungsreferenz und reagieren aktiv auf Netzstörungen — in Millisekunden. Damit werden sie zur Schlüsseltechnologie für ein Stromnetz, das vollständig auf erneuerbaren Energien basiert.

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Der Momentanreservemarkt: Ein neuer Erlöskanal für PV und Speicher

Deutschland ist der erste kontinentaleuropäische Markt, der Momentanreserve marktgestützt beschafft. Der Markt startete formal am 22. Januar 2026. Für die erste Festpreisperiode vom 22. Januar 2026 bis 21. Januar 2028 gelten je nach Produkt und Richtung Festpreise zwischen 76 und 888,50 Euro pro Megawattsekunde und Jahr. Die Beschaffungsregionen entsprechen den vier Regelzonen der deutschen Übertragungsnetzbetreiber.

Berechtigt zur Teilnahme sind Anlagen mit nachgewiesenen netzbildenden Eigenschaften — also Batteriespeicher, große PV-Parks und Windenergieanlagen in der Mittel-, Hoch- und Höchstspannung, die den Anforderungen des VDE FNN Hinweises 2.1 genügen und ein entsprechendes, im ZEREZ hinterlegtes Zertifikat besitzen. Ohne ZEREZ-Eintrag ist eine Marktteilnahme ausgeschlossen.

Die Nachfrage ist real: Laut Systemstabilitätsbericht 2025 steigen die Bedarfe an Momentanreserve bis 2030 regional unterschiedlich stark. Alle validen Angebote kommen derzeit zum Zuge, weil der Bedarf hoch und das Angebot noch begrenzt ist. Stand Februar 2026 hatte allerdings noch kein Anbieter alle Voraussetzungen vollständig erfüllt — der Markt befindet sich in einer frühen Aufbauphase.

Was das für PV-Planer konkret bedeutet

Für Planer von PV-Projekten ab der Mittelspannung ergeben sich aus der ZEREZ-Erweiterung drei direkte Handlungsfelder.

Erstens: Komponentenwahl. Wechselrichter und Speichersysteme müssen künftig nicht nur netzkonform, sondern bei Ambitionen auf Momentanreservevermarktung auch nach VDE FNN Hinweis 2.1 zertifiziert sein. Die Zertifizierung muss vor Antragstellung im ZEREZ hinterlegt sein.

Zweitens: Planungsvorlauf. Die Zertifizierung nach den neuen Anforderungen ist aufwendig. Wer 2027 oder 2028 am Momentanreservemarkt teilnehmen will, muss die Komponentenauswahl und das Zertifizierungsverfahren bereits heute einplanen.

Drittens: Wirtschaftlichkeitsberechnung. Der Momentanreservemarkt bietet einen zusätzlichen, von der Stromerzeugung unabhängigen Erlöskanal. Bei großen Batteriespeicherprojekten mit netzbildenden Wechselrichtern verbessert sich damit die Projektrendite potenziell erheblich — vorausgesetzt, alle regulatorischen Voraussetzungen inklusive ZEREZ-Zertifikat sind erfüllt.

Mittel- bis langfristig ist davon auszugehen, dass netzbildende Eigenschaften über die Technischen Anschlussrichtlinien verpflichtend werden. Die Roadmap Systemstabilität des Bundeswirtschaftsministeriums sieht dies mit einem Zeithorizont von etwa fünf Jahren vor. Planer, die heute auf netzbildende Komponenten setzen, sind regulatorisch auf der sicheren Seite.

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Häufige Fragen zu ZEREZ und netzbildenden Eigenschaften

Was ist ZEREZ und wer muss es nutzen?

ZEREZ ist das Zentrale Register für Einheiten- und Komponentenzertifikate. Es ist eine digitale Datenbank, in der technische Nachweise über die elektrischen Eigenschaften von Erzeugungseinheiten und Komponenten hinterlegt werden. Seit dem 1. Februar 2025 ist die Nutzung für Hersteller, Anlagenbetreiber und Netzbetreiber gesetzlich verpflichtend. Rechtsgrundlage ist Paragraph 49d EnWG in Verbindung mit der NELEV.

Welche Anlagen sind von der ZEREZ-Pflicht betroffen?

Betroffen sind Erzeugungsanlagen und Komponenten aller Spannungsebenen, die gemäß den Vorschriften VDE-AR-N 4100, 4105, 4110, 4120 und 4130 zertifiziert werden. Das umfasst die meisten netzgekoppelten PV-Anlagen, Batteriespeicher, Wechselrichter und Transformatoren. Ohne gültiges, im ZEREZ hinterlegtes Zertifikat darf die Anlage nicht ans Stromnetz angeschlossen werden.

Was hat die neue ZEREZ-Erweiterung mit dem Momentanreservemarkt zu tun?

Seit dem 1. Juni 2026 können im ZEREZ auch Zertifikate mit netzbildenden Eigenschaften eingetragen werden. Das ist die Voraussetzung für die Teilnahme am deutschen Momentanreservemarkt, der am 22. Januar 2026 startete. Ohne entsprechendes ZEREZ-Zertifikat nach VDE FNN Hinweis Version 2.1 ist eine Marktteilnahme nicht möglich.

Was sind netzbildende Eigenschaften und warum werden sie gebraucht?

Netzbildende Eigenschaften beschreiben die Fähigkeit eines Wechselrichters, selbst eine stabile Spannungsreferenz im Netz zu bilden und auf Frequenzabweichungen in Millisekunden zu reagieren — ohne auf ein externes Netzfrequenzsignal angewiesen zu sein. Konventionelle Kraftwerke liefern diese Funktion durch die rotierende Schwungmasse ihrer Generatoren. Mit dem Rückgang fossiler Kraftwerke muss diese Stabilisierungsfunktion von netzbildenden Wechselrichtern übernommen werden.

Was ist der Unterschied zwischen netzbildend und netzfolgend?

Netzfolgende Wechselrichter (grid-following) messen das bestehende Netzfrequenzsignal und passen ihre Einspeisung daran an — sie reagieren passiv. Netzbildende Wechselrichter (grid-forming) erzeugen selbst eine stabile Spannungsreferenz und können das Netz aktiv stabilisieren. Sie sind die Grundvoraussetzung für den Betrieb netzfolgender Anlagen in einem Netz ohne konventionelle Kraftwerke.

Was ist der Momentanreservemarkt in Deutschland?

Der Momentanreservemarkt ist ein seit dem 22. Januar 2026 in Deutschland aktiver Beschaffungsmarkt, über den Übertragungsnetzbetreiber synthetische Trägheit von netzbildenden Anlagen einkaufen. Für die erste Festpreisperiode bis 21. Januar 2028 gelten Vergütungen zwischen 76 und 888,50 Euro pro Megawattsekunde und Jahr, je nach Produkt und Richtung. Deutschland ist der erste kontinentaleuropäische Markt dieser Art.

Welche Spannungsebenen sind von der neuen ZEREZ-Erweiterung betroffen?

Die neue Funktion gilt für Anlagen in der Mittelspannung nach VDE-AR-N 4110, der Hochspannung nach VDE-AR-N 4120 und der Höchstspannung nach VDE-AR-N 4130. Kleinanlagen in der Niederspannung sind von der Momentanreservefunktion nicht betroffen.

Was ist der VDE FNN Hinweis Version 2.1?

Der VDE FNN Hinweis Version 2.1 „Technische Anforderungen an Netzbildende Eigenschaften inklusive der Bereitstellung von Momentanreserve” ist das technische Regelwerk, das definiert, welche Anforderungen eine Anlage erfüllen muss, um am Momentanreservemarkt teilzunehmen. Er wurde vom Forum Netztechnik/Netzbetrieb im VDE im Mai 2025 erstveröffentlicht und am 15. Mai 2026 nach Fachkonsultation finalisiert.

Wie finde ich die ZEREZ-ID einer Komponente?

Unter www.zerez.net kann ohne Anmeldung nach Herstellernamen oder Modellbezeichnungen gesucht werden. Ist eine Komponente gelistet, ist dort die ZEREZ-ID abrufbar. Ist kein Eintrag vorhanden, muss der Hersteller kontaktiert werden. Die ZEREZ-ID ist bei jeder Netzanschlussanfrage an den Netzbetreiber zu übermitteln.

Was müssen PV-Planer bei der Projektplanung jetzt beachten?

Bei PV-Projekten ab der Mittelspannung müssen Planer prüfen, ob eingesetzte Wechselrichter und Speicher im ZEREZ zertifiziert sind. Wer zusätzlich Erlöse aus dem Momentanreservemarkt anstrebt, muss Komponenten wählen, die den Anforderungen des VDE FNN Hinweises 2.1 genügen, und die Zertifizierung deutlich vor Inbetriebnahme einleiten. Die ZEREZ-ID aller Hauptkomponenten muss bei der Netzanschlussanfrage vorliegen.

Werden netzbildende Eigenschaften künftig verpflichtend?

Nach aktuellem Stand sind netzbildende Eigenschaften freiwillig und werden marktgestützt beschafft. Die Roadmap Systemstabilität des Bundeswirtschaftsministeriums sieht jedoch vor, dass netzbildende Anforderungen mit einem Zeithorizont von etwa fünf Jahren über die Technischen Anschlussrichtlinien verpflichtend werden. Planer, die heute auf netzbildende Komponenten setzen, sind regulatorisch zukunftssicher aufgestellt.

Können Bestandsanlagen nachträglich am Momentanreservemarkt teilnehmen?

Grundsätzlich ja, wenn die Anlage über netzbildende Wechselrichter verfügt oder nachgerüstet werden kann, die den Anforderungen des VDE FNN Hinweises 2.1 entsprechen. Voraussetzung ist ein entsprechendes Zertifikat im ZEREZ. Ob ein Retrofit wirtschaftlich sinnvoll ist, hängt von Anlagentyp, Spannungsebene und den erzielbaren Momentanreservevergütungen ab.

Wie läuft die Dateneingabe im ZEREZ für netzbildende Zertifikate ab?

Hersteller und Zertifizierungsstellen können seit dem 1. Juni 2026 Einheiten- und Komponentenzertifikate mit netzbildenden Eigenschaften in das ZEREZ eintragen. Dafür steht ein angepasstes Formular zur Verfügung, das vor dem Upload ausgefüllt wird und automatisch ausgelesen wird, um Fehleingaben zu reduzieren. Die hinterlegten Daten sind anschließend über die digitale Schnittstelle für Netzbetreiber und andere Marktakteure automatisiert abrufbar.

Harald M. Depta
Über den Autor
Harald M. Depta
Projektmanager & DEKRA-Fachdozent · energiefahrer.de
DEKRA TÜV NORD HWK BAFA

Unabhängiger Berater, Projektplaner und Fachdozent für Photovoltaik, Elektromobilität, Ladeinfrastruktur, Fuhrparkmanagement und ESG. Zertifiziert durch DEKRA, TÜV NORD, HWK und BAFA. Lehrtätigkeit für TÜV NORD und DEKRA. Inhaber von energiefahrer.de mit Sitz in Sundern im Sauerland.

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