Die fünf großen europäischen Automobilkonzerne bieten zusammen genau 100 verschiedene Elektromodelle an — ermittelt durch eine FAZ-Auswertung der Online-Konfiguratoren. Stellantis führt mit 38 Modellen, Volkswagen folgt mit 26. Vollstromer stehen heute in jeder Fahrzeugklasse zur Verfügung, von der Kleinstwagenklasse bis zum Transporter. Burkhard Weller, Präsident des Deutschen Automobilhandels, sieht die Kaufbarrieren nicht beim Fahrzeugangebot, sondern bei lückenhafter Ladeinfrastruktur, intransparenten Strompreisen und wirtschaftlicher Unsicherheit. Elektro-Firmenwagen bis 70.000 Euro Listenpreis werden steuerlich mit nur 0,25 Prozent monatlich bewertet. Für Fuhrparkmanager verlagert sich die zentrale Frage: weg von der Modellsuche, hin zur Ladeinfrastruktur am Betriebsstandort.
100 Elektromodelle: Europas Autokonzerne haben die Angebotsseite gelöst
Eine aktuelle Auswertung der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in den Online-Konfiguratoren der fünf großen europäischen Automobilkonzerne zeigt ein eindeutiges Ergebnis: Genau 100 verschiedene Modelle mit rein elektrischem Antrieb stehen Käufern heute zur Verfügung. Gezählt wurden dabei ausschließlich unterschiedliche Karosserieversionen — Varianten bei Motorisierung und Ausstattung blieben unberücksichtigt.
Das Ergebnis belegt: Die oft gehörte Kritik, es fehle an passenden Elektrofahrzeugen, greift nicht mehr. Die Angebotsseite ist gelöst. Die Hürden liegen woanders.
Stellantis führt mit 38 Modellen — Volkswagen mit mehr Antriebsvielfalt
Innerhalb der 100 Elektromodelle entfällt der größte Anteil auf den Stellantis-Konzern. Mit 38 Modellen — darunter Marken wie Citroën, Peugeot, Opel, Fiat und Jeep — führt Stellantis das Feld an. Das Konzernprinzip: eine oder wenige gemeinsame Plattformen, viele Marken und Karosserievarianten, jeweils mit einer E-Antriebsoption.
Volkswagen kommt auf 26 Elektromodelle, bietet dabei aber mehr Differenzierung beim Antrieb: Verschiedene Leistungsstufen, Heck- und Allradantrieb sowie unterschiedliche Akkukapazitäten machen das VW-Portfolio technisch vielseitiger. Renault, BMW und Stellantis ergänzen das Gesamtbild mit ihren jeweiligen Konzernmarken.
Für Fuhrparkmanager bedeutet diese Breite: In jeder relevanten Fahrzeugklasse — von der Kleinstwagenklasse bis zum Transporter — stehen heute elektrische Alternativen zur Verfügung. Die Beschaffungsentscheidung kann sich auf betriebliche Anforderungen konzentrieren, nicht mehr auf das Fehlen geeigneter Modelle.
Marktanteile der Konzerne im Überblick
Stellantis: 38 Elektromodelle (Citroën, Peugeot, Opel, Fiat, Vauxhall, Jeep, Alfa Romeo u. a.)
Volkswagen: 26 Elektromodelle (VW, Audi, Skoda, Seat/Cupra, Porsche u. a.)
Renault-Gruppe: ca. 12 Modelle (Renault, Dacia, Alpine)
BMW-Gruppe: ca. 13 Modelle (BMW, MINI, Rolls-Royce)
Mercedes-Benz: ca. 11 Modelle (Mercedes, AMG, EQ-Baureihen)
Die genauen Zahlen je Konzern variieren je nach Zählmethode und Markteinführungszeitpunkt neuer Modelle.
Kaufbarrieren: Ladeinfrastruktur, Strompreise und wirtschaftliche Unsicherheit
Burkhard Weller, Präsident des Verbandes der Automobilhändler in Deutschland, benennt drei strukturelle Kaufbarrieren, die den Hochlauf der Elektromobilität bremsen — und keine davon hat mit dem Fahrzeugangebot zu tun.
Erstens: die lückenhafte Ladeinfrastruktur. Trotz deutlichem Ausbau in den vergangenen Jahren fehlen vor allem im ländlichen Raum und an Wohngebäuden ohne eigenen Stellplatz verlässliche Lademöglichkeiten. Zweitens: intransparente und teils hohe Strompreise an öffentlichen Ladesäulen.
Wer nicht zu Hause oder am Arbeitsplatz laden kann, zahlt an vielen Säulen Preise, die den Kostenvorteil gegenüber Benzin und Diesel aufzehren. Drittens: die allgemeine wirtschaftliche Lage. Wer Unsicherheit bei Einkommen oder Arbeitsplatz spürt, schiebt Neuanschaffungen auf — unabhängig vom Antrieb.
Weller fasst es direkt zusammen: Vollstromer gibt es heute in jeder Fahrzeugklasse. Das Angebot ist nicht das Problem.
Fuhrparkperspektive: Andere Vorzeichen als im Privatmarkt
Für gewerbliche Flotten gelten teilweise andere Bedingungen. Firmenwagen können häufig am Betriebsstandort oder über Lade-Netzwerke wie Shell Recharge oder DKV geladen werden — die Abhängigkeit vom öffentlichen Ladenetz ist geringer.
Dienstwagen mit Elektroantrieb profitieren zudem von steuerlichen Vorteilen: der halbierten Bemessungsgrundlage bei der Dienstwagenversteuerung (0,25 Prozent statt 1 Prozent des Listenpreises bei Fahrzeugen bis 70.000 Euro Bruttolistenpreis).
Dennoch zeigt die Praxis: Auch im Fuhrparkbereich bleibt die Ladeinfrastruktur am Betriebsstandort oft der entscheidende Engpass. Wer Mitarbeitern keine Lademöglichkeit anbieten kann, stößt bei der Flottenmigration auf Widerstand.
Was 100 Elektromodelle für die Beschaffung bedeuten
Die Modellvielfalt hat eine praktische Konsequenz: Fuhrparkmanager können heute bei der Fahrzeugbeschaffung gezielt nach betrieblichen Anforderungen selektieren, anstatt Kompromisse beim Antrieb einzugehen. Kleinstwagen für städtische Kurzstrecken, Kompakt-SUV für gemischte Einsätze, Kombis für Außendienst, Transporter für Handwerksbetriebe — für jedes Einsatzprofil gibt es heute mindestens eine Elektroalternative aus europäischer Produktion.
Die zentrale Aufgabe für Fuhrparkverantwortliche verlagert sich damit: Weg von der Frage “Gibt es das passende Modell?” — hin zu den Fragen “Wie bauen wir die Ladeinfrastruktur am Standort auf?” und “Wie gestalten wir die Übergangsphase für Mitarbeitende mit eingeschränkten Heimlademöglichkeiten?”
Häufige Fragen zu Elektromodellen europäischer Autokonzerne
Wie viele Elektroauto-Modelle bieten europäische Autokonzerne aktuell an?
Laut einer Auswertung der Frankfurter Allgemeinen Zeitung bieten die fünf großen europäischen Automobilkonzerne — Stellantis, Volkswagen, Renault, BMW und Mercedes-Benz — zusammen genau 100 verschiedene Modelle mit rein elektrischem Antrieb an. Gezählt wurden dabei unterschiedliche Karosserieversionen, nicht einzelne Motorisierungs- oder Ausstattungsvarianten.
Welcher europäische Konzern hat die meisten Elektromodelle?
Stellantis führt das Feld mit 38 Elektromodellen an. Der Konzern setzt auf wenige gemeinsame Plattformen und viele Marken — darunter Citroën, Peugeot, Opel, Fiat und Jeep. Volkswagen folgt mit 26 Modellen, bietet dabei aber mehr technische Differenzierung durch verschiedene Leistungsstufen und Antriebskonfigurationen.
Warum verkaufen sich Elektroautos trotz großer Modellauswahl noch nicht besser?
Burkhard Weller, Präsident des Deutschen Automobilhandels, nennt drei Hauptgründe: lückenhafte Ladeinfrastruktur, intransparente und zu hohe Strompreise an öffentlichen Ladesäulen sowie die allgemeine wirtschaftliche Unsicherheit. Das Fahrzeugangebot selbst bezeichnet er ausdrücklich nicht als Kaufhindernis — Elektroautos sind heute in jeder Fahrzeugklasse verfügbar.
Welche steuerlichen Vorteile haben Elektro-Firmenwagen in Deutschland?
Elektro-Firmenwagen mit einem Bruttolistenpreis bis 70.000 Euro werden bei der Dienstwagenversteuerung nur mit 0,25 Prozent des Listenpreises monatlich angesetzt statt des üblichen 1-Prozent-Satzes. Das reduziert den geldwerten Vorteil für Mitarbeitende erheblich und macht Elektrofahrzeuge als Dienstwagen finanziell attraktiv.
Für welche Fahrzeugklassen gibt es heute Elektroalternativen?
Vollstromer sind heute in nahezu allen relevanten Klassen verfügbar: Kleinstwagen, Kompaktfahrzeuge, Mittelklasse, SUV, Kombis, Luxusfahrzeuge und leichte Nutzfahrzeuge bzw. Transporter. Für Fuhrparkmanager bedeutet das, dass jedes betriebliche Einsatzprofil mit einem geeigneten Elektromodell abgedeckt werden kann.
Was ist der Unterschied zwischen Stellantis-Elektromodellen und VW-Elektromodellen?
Stellantis setzt auf das Prinzip “viele Marken, eine Plattform” — das bedeutet mehr Modellvielfalt, aber weniger technische Differenzierung beim Antrieb. Volkswagen bietet weniger Modelle (26 gegenüber 38), aber mehr Varianten bei Leistungsstufen, Akku-Kapazitäten und Antriebskonfigurationen (Heck-, Allradantrieb).
Welche Lösungen gibt es für Firmenwagen-Fahrer ohne Heimlademöglichkeit?
Unternehmen können Ladekarten für öffentliche Netzwerke wie Shell Recharge, DKV oder EnBW mobility+ bereitstellen. Ergänzend empfiehlt sich der Aufbau von Ladeinfrastruktur am Betriebsstandort. Für Mitarbeitende ohne Heimlademöglichkeit bieten einige Arbeitgeber auch Mobilitätsbudgets oder Ladelösungen über Kooperationspartner an.
Welche europäischen Elektroauto-Plattformen sind besonders verbreitet?
Die wichtigsten Plattformen sind: Stellantis STLA Medium und STLA Small (für viele Marken des Konzerns), Volkswagen MEB (ID-Baureihe, Audi Q4, Skoda Enyaq u. a.) sowie die neue SSP-Plattform (geplant ab 2027), BMW CLAR-EV und die Mercedes MEA-Plattform für die EQ-Baureihen.
Wie entwickelt sich das Elektroauto-Angebot in den nächsten Jahren?
Alle fünf europäischen Konzerne haben weitere Elektromodelle angekündigt. Volkswagen plant mit der SSP-Plattform eine neue technologische Grundlage ab 2027. Stellantis wird weitere Marken elektrifizieren. Renault entwickelt mit der Ampere-Sparte eigenständige Elektro-Strukturen. Die Modellzahl dürfte bis 2028 auf deutlich über 150 anwachsen.
Lohnt sich ein Elektroauto als Firmenwagen finanziell?
In den meisten Fällen ja, besonders bei hohen Jahreskilometerleistungen und eigenem Ladepunkt. Die Kombination aus halbierter Bemessungsgrundlage bei der Dienstwagenversteuerung, niedrigeren Energiekosten beim Laden am Betriebsstandort und geringeren Wartungskosten ergibt über die Haltedauer meist einen deutlichen Kostenvorteil gegenüber vergleichbaren Verbrenner-Dienstwagen.
Wie viele Ladesäulen gibt es in Deutschland?
Laut Bundesnetzagentur waren Anfang 2026 in Deutschland rund 130.000 öffentliche Ladepunkte registriert — davon etwa 25.000 Schnellladepunkte (DC). Die Versorgungsdichte ist regional sehr unterschiedlich: In Städten und an Autobahnen gut ausgebaut, im ländlichen Raum teils noch lückenhaft.
Was bedeutet die 100-Modell-Marke für den Wettbewerb mit chinesischen Herstellern?
Die Modellbreite ist eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung für Wettbewerbsfähigkeit. Chinesische Hersteller wie BYD, NIO oder SAIC punkten vor allem bei Preis-Leistungs-Verhältnis und Software-Integration. Europäische Konzerne müssen neben dem Angebot auch Kostensenkung, schnellere Software-Entwicklung und günstigere Einstiegspreise liefern, um marktfähig zu bleiben.
Wie beeinflusst die Modellvielfalt die Beschaffungsentscheidung im Fuhrpark?
Mehr Modelle bedeuten mehr Auswahlmöglichkeiten nach Einsatzprofil, erfordern aber auch strukturierte Ausschreibungsprozesse. Fuhrparkmanager können heute gezielt nach TCO (Total Cost of Ownership), Reichweite, Ladefähigkeit und Verfügbarkeit filtern. Eine breite Modellbasis erlaubt zudem die Standardisierung auf wenige Konzernmarken zur Vereinfachung von Wartung und Ersatzteillagerung.



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