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Rohstoffbedarf Elektroauto Verbrenner im Faktencheck
+ Elektromobilität 10 Min. Lesezeit

Rohstoffbedarf Elektroauto Verbrenner im Faktencheck

Harald M. Depta 20. Juli 2026 Aktualisiert: Juli 2026
Harald M. Depta
Harald M. Depta
Projektmanager & DEKRA-Fachdozent · Photovoltaik, Elektromobilität & Ladeinfrastruktur
Auf einen Blick

Rohstoffbedarf Elektroauto Verbrenner: Über 300.000 Kilometer bindet ein Elektrofahrzeug einmalig 150 bis 200 Kilogramm aktives Batteriematerial. Davon entfallen nur 5 bis 10 Kilogramm auf reines Lithium. Ein Benziner verbrennt im selben Zeitraum rund 22.500 Liter Kraftstoff, also 16 bis 17 Tonnen. Diese Menge ist unwiederbringlich verloren. Beim Wasserverbrauch liegt der Unterschied bei Faktor fünf bis dreißig zugunsten des Elektroantriebs, weil die kursierenden Zahlen auf eine Tonne Lithiumkarbonat statt auf eine Batterie bezogen werden. Traktionsbatterien erreichen als stationäre Speicher ein zweites Leben, danach liegen die Rückgewinnungsquoten für Lithium, Nickel und Kobalt über 90 Prozent. Für Fuhrparks folgen daraus drei Punkte: Restwert der Batterie in die TCO-Rechnung aufnehmen, Lieferkettendaten bereits in der Ausschreibung einfordern und den Rohstoffeinwand mit Zahlen statt mit Haltung beantworten.

Rohstoffbedarf Elektroauto Verbrenner: Diese Frage taucht in fast jedem Beschaffungsgespräch auf. Meist kommt sie als Einwand. Die Batterie brauche Unmengen an Lithium, Kobalt und Wasser, der Verbrenner dagegen sei rohstoffschonend. Gerechnet wird dabei selten. Für Fuhrparkverantwortliche ist das ein Problem. Denn wer eine Flottenentscheidung gegen Betriebsrat, Geschäftsführung oder Kunden begründen muss, braucht belastbare Zahlen.

Dieser Beitrag liefert die Materialbilanz über einen vollständigen Fahrzeuglebenszyklus. Außerdem zeigt er, welche Konsequenzen daraus für Beschaffung, Lieferkettenbewertung und ESG-Berichte folgen.

Rohstoffbedarf Elektroauto Verbrenner: die Bilanz über 300.000 Kilometer

Der Vergleichsrahmen entscheidet über das Ergebnis. Deshalb rechnen wir über die realistische Nutzungsdauer eines Flottenfahrzeugs im zweiten und dritten Halterzyklus: 300.000 Kilometer oder rund 20 Jahre. Ein durchschnittliches Batteriepaket enthält je nach Fahrzeuggröße etwa 150 bis 200 Kilogramm aktives Batteriematerial. Dazu zählen Lithium, Nickel, Graphit, Kupfer und je nach Zellchemie Kobalt und Mangan.

Dieser Materialblock wird einmal verbaut. Er wächst nicht, und er wird nicht nachgefüllt. Ein Benziner verbraucht im Realbetrieb rund 7,4 Liter je 100 Kilometer. Das Umweltbundesamt bestätigt diesen Flottenwert seit Jahren. Auf 300.000 Kilometer ergibt das etwa 22.500 Liter Kraftstoff, also 16 bis 17 Tonnen. Diese Menge wird vollständig verbrannt. Sie kehrt nicht zurück. Der Unterschied ist deshalb kein gradueller, sondern ein struktureller. Das eine Fahrzeug nutzt Material. Das andere verbraucht es.

Wer Ladeinfrastruktur ohne Gesamtsystem denkt, zahlt zu viel und verschenkt steuerliche Hebel. Beratung beginnt vor der ersten Ladesäule.

Was in der Batterie wirklich steckt

Die verbreitetste Fehlannahme betrifft den Lithiumanteil. 150 Kilogramm aktives Material sind keine 150 Kilogramm Lithium. Die Fraunhofer-Einrichtung Forschungsfertigung Batteriezelle beziffert den Lithiumbedarf auf rund 100 Gramm je Kilowattstunde Speicherkapazität. Ein E-Fahrzeug kommt damit auf etwa 5 bis 10 Kilogramm reines Lithium. Der Rest des Batteriepakets besteht aus Aluminium, Stahl, Kunststoff und Elektronik. Genau diese Werkstoffe stecken auch in jedem Verbrenner.

Der Verbrenner hat ebenfalls einen Rucksack

Auch ein Dieselfahrzeug bringt Stahl, Aluminium, Kupfer und Kobalt für gehärtete Motorteile mit. Diese Position fällt in der Debatte regelmäßig unter den Tisch. Zusätzlich entsteht Aufwand vor dem Tank. Eine Untersuchung im Auftrag des Schweizer Bundesamts für Energie beziffert den Bereitstellungsaufwand auf rund 3 Kilowattstunden je Liter Kraftstoff. Wer 40 Liter tankt, hat also bereits über 100 Kilowattstunden verbraucht, bevor das Fahrzeug einen Meter zurücklegt.

Wasserverbrauch: der häufigste Rechenfehler in der Debatte

Kaum ein Einwand wird so oft wiederholt wie der Wasserverbrauch der Lithiumgewinnung. Die kursierenden Zahlen stammen jedoch aus einer falschen Bezugsgröße. Eine Lebenszyklusanalyse des Argonne National Laboratory kommt für die Sole-Verdunstung im Salar de Atacama auf 15,5 bis 32,8 Kubikmeter Wasser je Tonne Lithiumkarbonat. Eine Fahrzeugbatterie benötigt aber keine Tonne. Sie benötigt je nach Kapazität etwa 50 bis 60 Kilogramm Lithiumkarbonat-Äquivalent.

Rechnet man sauber, ergibt das überschlägig 800 bis 4.000 Liter Wasser für das komplette Lithium einer Batterie. Einmalig. Die 22.500 Liter Kraftstoff eines Verbrenners bringen bei 1 bis 2 Litern Prozesswasser je Liter Sprit dagegen 22.500 bis 45.000 Liter mit sich. Verteilt über zwanzig Jahre, Tankfüllung für Tankfüllung. Selbst im günstigsten Fall für den Verbrenner bleibt ein Faktor fünf. Im realistischen Fall liegt er bei zwanzig bis dreißig.

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Second Life und Recycling: warum das Material im Kreislauf bleibt

Für Flottenbetreiber ist dieser Punkt der wirtschaftlich relevanteste. Eine Traktionsbatterie endet nicht mit dem Fahrzeug. Hersteller garantieren üblicherweise acht Jahre oder 160.000 Kilometer bei mindestens 70 Prozent Restkapazität. Das ist die Haftungsuntergrenze, nicht die Lebenserwartung. Auswertungen realer Flottendaten zeigen Degradationsraten von unter zwei Prozent pro Jahr. Fällt eine Batterie unter die für den Fahrbetrieb sinnvolle Schwelle, beginnt häufig ein zweites Leben als stationärer Speicher.

Das bekannteste Beispiel steht in der Johan Cruijff ArenA in Amsterdam. Dort arbeitet ein Großspeicher aus gebrauchten Nissan-Leaf-Modulen. Er startete mit 2,8 Megawattstunden und speichert nach dem Ausbau 2024 rund 8,6 Megawattstunden. Er kappt Lastspitzen, ersetzt Dieselgeneratoren als Notstrom und stabilisiert das Netz. Erst danach folgt das Recycling. Moderne Verfahren erreichen bei Lithium, Nickel und Kobalt Rückgewinnungsquoten über 90 Prozent. Die EU-Batterieverordnung schreibt steigende Mindestquoten verbindlich vor. Der eigentliche Engpass ist derzeit die geringe Zahl ausgedienter Akkus.

Was daraus für Beschaffung und ESG folgt

Die Materialbilanz ist keine Weltanschauungsfrage. Sie ist ein Beschaffungsfaktor. Drei Konsequenzen sind konkret.

Die sozialen und ökologischen Folgen des Kobaltabbaus im Kongo oder der Lithiumgewinnung in der Atacama sind real. Sie gehören in jede ehrliche Bilanz. Ebenso gehört hinein, dass die Ölförderung ebenfalls zerstört und dass sie jedes Jahr erneut stattfindet. Der Batterierohstoff wird einmal gefördert und bleibt danach im Kreislauf. Der Unterschied allerdings ist, dass die neue AT Technologie fast immer kein Kobalt benötigt, aber Milliarden Verbrenner davon jede Menge fortlaufend und immer. Unabhängig vom Elektrofahrzeug.

Wer Flottenfahrzeuge kalkuliert, sollte den Batteriewert am Ende der Haltedauer nicht auf null setzen. Ein Speichermodul mit 70 Prozent Restkapazität hat einen Marktwert. Für Betriebe mit eigener Photovoltaikanlage kann es sogar intern weiterverwendet werden. Das funktioniert richtig gut und vorab geplant, wenn das ein wertvolle integrativer Bestandteil eines Ökosystems sein.

Banken und Großkunden verlangen ESG-Daten unabhängig von der CSRD-Pflicht. Herkunftsnachweise für Batteriezellen und der digitale Batteriepass werden damit zum Beschaffungskriterium. Wer diese Daten bereits bei der Ausschreibung einfordert, spart später Nacharbeit.

Ein attraktives Angebot, eine hohe Steuerersparnis. Bevor Sie sechsstellig investieren, bleibt die entscheidende Frage: Halten die Zahlen, was sie versprechen? Genau das prüfe ich — unabhängig, technisch und wirtschaftlich.

Fazit: einmaliger Materialblock gegen dauerhaften Nachschub

Der Rohstoffvergleich fällt eindeutig aus. Das Elektrofahrzeug bindet einmalig 150 bis 200 Kilogramm aktives Material und gibt es am Ende überwiegend zurück. Der Verbrenner bindet ähnliche Grundwerkstoffe und verbrennt zusätzlich 16 bis 17 Tonnen Kraftstoff, die unwiederbringlich verloren gehen. Beim Wasser liegt der Faktor bei fünf bis dreißig zugunsten des Elektroantriebs. Für Fuhrparks bedeutet das zweierlei. Der Rohstoffeinwand ist kein Argument gegen die Elektrifizierung.

Er ist jedoch ein berechtigter Anlass, Lieferketten und Batterieherkunft aktiv zu prüfen. Viele Flottenprojekte scheitern nicht an der Technik, sondern an der Argumentation im Entscheidungsgremium. Die Zahlen liegen vor, aber sie sind nicht auf den eigenen Betrieb übertragen. Genau dort setzt eine unabhängige Bewertung an. Der Antriebskostenvergleich liefert die Kostenseite für die konkrete Fuhrparksituation. Für die Ladeseite ordnet die Beratung zur gewerblichen Ladeinfrastruktur Technik, Lastmanagement und Förderfähigkeit ein.

Wer den Ladestrom aus eigener Erzeugung decken will, findet in der Photovoltaik-Beratung und im PVpilot die Grundlagen für Auslegung und Wirtschaftlichkeit. Der DEKRA-Zertifikatskurs Fuhrparkmanager Elektromobilität vermittelt das Wissen strukturiert im eigenen Haus.

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Quellen: Fraunhofer FFB (Lithiumbedarf je kWh) · Umweltbundesamt (Energieverbrauch und Kraftstoffe im Straßenverkehr) · Bundesamt für Energie Schweiz (Well-to-Tank-Aufwand Benzin und Diesel) · Argonne National Laboratory 2021 (Wasserverbrauch Lithiumkarbonat, Salar de Atacama) · Helmholtz-Institut Ulm (Wasserverbrauch Lithium im Vergleich) · IRENA 2022 (Lithiumkarbonat-Äquivalent je kWh) · Transport and Environment (Rohstoffvergleich Batterie und Kraftstoff) · Fraunhofer ISI (Lebenszyklusbilanz Elektrofahrzeuge) · EU-Batterieverordnung (VO 2023/1542) · Johan Cruijff ArenA Amsterdam (Second-Life-Speicherprojekt) · Keine Rechts- oder Steuerberatung.

Häufige Fragen zum Rohstoffbedarf von Elektroauto und Verbrenner

Wie viel Rohstoff steckt in einer Elektroauto-Batterie?

Ein durchschnittliches Batteriepaket enthält etwa 150 bis 200 Kilogramm aktives Batteriematerial. Dazu zählen Lithium, Nickel, Graphit, Kupfer sowie je nach Zellchemie Kobalt und Mangan. Das Gesamtpaket wiegt inklusive Gehäuse, Kühlung und Elektronik rund 300 bis 600 Kilogramm.

Wie viel Lithium enthält ein Elektroauto tatsächlich?

Die Fraunhofer-Einrichtung Forschungsfertigung Batteriezelle nennt rund 100 Gramm Lithium je Kilowattstunde Speicherkapazität. Ein Elektroauto kommt damit auf etwa 5 bis 10 Kilogramm reines Lithium.

Wie viel Kraftstoff verbraucht ein Verbrenner über 300.000 Kilometer?

Bei einem realen Flottendurchschnitt von rund 7,4 Litern je 100 Kilometer sind das etwa 22.500 Liter Benzin. Das entspricht 16 bis 17 Tonnen Kraftstoff, die vollständig verbrannt werden.

Wie hoch ist der Wasserverbrauch für das Lithium einer Batterie?

Rechnet man die Angaben des Argonne National Laboratory auf die tatsächlich benötigten 50 bis 60 Kilogramm Lithiumkarbonat um, ergeben sich überschlägig 800 bis 4.000 Liter Wasser je Batterie. Kursierende Werte von mehreren hunderttausend Litern beziehen sich auf eine ganze Tonne Lithiumkarbonat.

Wie viel Wasser kostet die Kraftstoffbereitstellung?

Seriöse Quellen nennen etwa 1 bis 2 Liter Prozesswasser je Liter Kraftstoff. Über 22.500 Liter Benzin ergeben sich damit 22.500 bis 45.000 Liter Wasser, verteilt über die gesamte Nutzungsdauer.

Wie lange hält eine Traktionsbatterie im Fuhrpark?

Hersteller garantieren üblicherweise acht Jahre oder 160.000 Kilometer bei mindestens 70 Prozent Restkapazität. Reale Flottendaten zeigen Degradationsraten unter zwei Prozent pro Jahr. Fahrzeuge mit über 300.000 Kilometern auf dem ersten Akku sind dokumentiert.

Was passiert mit ausgedienten Fahrzeugbatterien?

Viele Module gehen zunächst in eine Zweitnutzung als stationärer Speicher. Ein bekanntes Beispiel ist der Großspeicher der Johan Cruijff ArenA in Amsterdam mit rund 8,6 Megawattstunden Kapazität. Erst danach folgt das Recycling.

Wie hoch sind die Recyclingquoten für Batterierohstoffe?

Moderne Verfahren erreichen bei Lithium, Nickel und Kobalt Rückgewinnungsquoten über 90 Prozent. Die EU-Batterieverordnung schreibt steigende Mindestquoten verbindlich vor.

Braucht auch ein Verbrenner kritische Rohstoffe?

Ja. Stahl, Aluminium, Kupfer und Kobalt für gehärtete Motorteile sind auch im Verbrenner verbaut. Hinzu kommt der Bereitstellungsaufwand des Kraftstoffs von rund 3 Kilowattstunden je Liter.

Welche Rolle spielt der Rohstoffbedarf für ESG-Berichte im Fuhrpark?

Banken und Großkunden fordern ESG-Daten unabhängig von der CSRD-Pflicht ein. Herkunftsnachweise für Batteriezellen und der digitale Batteriepass werden damit zum Beschaffungskriterium und gehören bereits in die Ausschreibung.

Harald M. Depta
Über den Autor
Harald M. Depta
Projektmanager & DEKRA-Fachdozent · energiefahrer.de
DEKRA TÜV NORD HWK BAFA

Unabhängiger Berater, Projektplaner und Fachdozent für Photovoltaik, Elektromobilität, Ladeinfrastruktur, Fuhrparkmanagement und ESG. Zertifiziert durch DEKRA, TÜV NORD, HWK und BAFA. Lehrtätigkeit für TÜV NORD und DEKRA. Inhaber von energiefahrer.de mit Sitz in Sundern im Sauerland.

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