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COP31-Ziel: 35% Elektrifizierung bis 2035 — und jetzt?
+ Energie und Energiewende 9 Min. Lesezeit

COP31-Ziel: 35% Elektrifizierung bis 2035 — und jetzt?

Harald M. Depta 16. Juni 2026 Aktualisiert: Juni 2026
Harald M. Depta
Harald M. Depta
Projektmanager & DEKRA-Fachdozent · Photovoltaik, Elektromobilität & Ladeinfrastruktur
Auf einen Blick

Die COP31-Präsidentschaft aus Türkei und Australien hat bei den UN-Klimazwischenverhandlungen in Bonn am 9. Juni 2026 das "35 bis 35"-Ziel vorgestellt: Der globale Stromanteil am Endenergieverbrauch soll bis 2035 von 20 auf 35 Prozent steigen. Das Ziel basiert auf einer IRENA-Analyse und umfasst Elektrofahrzeuge, Gebäudeheizung und industrielle Prozesse. IRENA beziffert den jährlichen Investitionsbedarf für Stromnetze auf 1,2 Billionen US-Dollar — mehr als doppelt der aktuellen Investitionen. Dezentrale Betriebsphotovoltaik umgeht Netzengpässe vollständig und liefert Eigenstrom für 6 bis 12 ct/kWh statt 27,15 ct/kWh Gewerbestrompreis. Für Fuhrparkmanager bedeutet das Ziel: Elektrifizierung ist auf höchster politischer Ebene verankert — wer jetzt plant, handelt mit dem globalen Investitionsstrom.

COP31 und das “35 bis 35”-Ziel: Was die globale Elektrifizierungsquote bedeutet

Am 9. Juni 2026 hat der designierte COP31-Präsident Murat Kurum bei den UN-Klimazwischenverhandlungen in Bonn ein neues globales Elektrifizierungsziel vorgestellt: den Anteil von Strom am weltweiten Endenergieverbrauch bis 2035 von derzeit etwas über 20 Prozent auf 35 Prozent zu steigern. Das Ziel trägt den Namen “35 bis 35” und ist das Flaggschiff der COP31 Action Agenda, die Türkei und Australien gemeinsam entwickelt haben. Die COP31 findet vom 9. bis 20. November 2026 im türkischen Antalya statt — Türkei als Gastgeber, Australien als Verhandlungspräsident. Das “35 bis 35”-Ziel basiert auf einer Analyse der Internationalen Agentur für Erneuerbare Energien (IRENA) und soll durch eine beschleunigte Elektrifizierung in den Bereichen Verkehr, Gebäude und Industrie erreicht werden. Australiens Chefunterhändler Chris Bowen betonte, er setze sich insbesondere für ein starkes Ergebnis beim Übergang von fossilen Brennstoffen zur Elektrizität ein. Celsius Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth begrüßte den Vorstoß ausdrücklich: Die Elektrifizierung von Verkehr, Gebäuden und Industrie sei das Rückgrat einer erfolgreichen Energiewende. Deutschland unterstützt die Initiative.

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Was das Ziel konkret bedeutet — und warum PV der entscheidende Hebel ist

Eine Steigerung des globalen Stromanteils am Endenergieverbrauch von 20 auf 35 Prozent in neun Jahren ist keine graduierte Weiterentwicklung — das ist eine Verdoppelung des Elektrifizierungstempos. IRENA beziffert den jährlichen Investitionsbedarf für Stromnetze allein auf durchschnittlich 1,2 Billionen US-Dollar — mehr als doppelt so viel wie die im Jahr 2025 investierten 0,5 Billionen US-Dollar. Weltweit sind rund 2.500 Gigawatt an Wind- und Solarleistung noch nicht an die Stromnetze angeschlossen. Das macht deutlich, wo der eigentliche Engpass liegt: nicht bei der Erzeugungskapazität, sondern bei Netzen, Speichern und Systemintegration.

Gleichzeitig zeigt es, warum dezentrale Photovoltaik auf Gewerbe- und Industriedächern eine Sonderrolle spielt. Eine Dachanlage, die Eigenstrom erzeugt und direkt vor Ort verbraucht wird, umgeht den Netzengpass vollständig. Sie braucht keinen neuen Netzanschluss, keine neue Übertragungskapazität, keine zusätzliche Regelenergie. Sie ist der direkteste Weg zur Elektrifizierung — von unten, sofort, wirtschaftlich.

Photovoltaik: Der schnellste Pfad zur Elektrifizierung im Betrieb

IRENA stellt klar: Der Ausbau erneuerbarer Energien und Effizienzsteigerungen allein reichen nicht aus. Die Elektrifizierung der Endverbrauchssektoren — Verkehr, Gebäude, Industrie — muss parallel und deutlich schneller vorangetrieben werden. Für Unternehmen bedeutet das: Wer auf externe Netzinfrastruktur wartet, wartet zu lange. Wer eine gewerbliche PV-Anlage auf dem Dach installiert, handelt jetzt. Der wirtschaftliche Vorteil ist eindeutig. Eigenstrom aus einer Betriebsphotovoltaik kostet je nach Standort und Anlagengröße zwischen 6 und 12 ct/kWh.

Der durchschnittliche Gewerbestrompreis liegt 2026 bei 27,15 ct/kWh. Die Differenz ist der direkte Beitrag zur Elektrifizierung — und gleichzeitig ein messbarer Kostenvorteil, der sich im ESG-Reporting, in der TCO-Berechnung des Fuhrparks und in der Energiekostenplanung des Betriebs niederschlägt. Wer die Planung einer gewerblichen PV-Anlage angehen will, sollte mit einer belastbaren Wirtschaftlichkeitsberechnung starten. Hier kann ich als DEKRA-zertifizierter PV-Experte direkt weiterhelfen — und mit PVpilot steht ein KI-gestütztes Planungstool zur Verfügung, das speziell für gewerbliche Anlagen entwickelt wurde.

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Elektrifizierung im Fuhrpark: Was das globale Ziel für Flottenmanager bedeutet

Laut COP31-Präsidentschaft macht Strom derzeit etwas mehr als 20 Prozent des globalen Endenergieverbrauchs aus. Um den Anteil auf 35 Prozent zu steigern, braucht es eine schnellere Einführung von Elektrofahrzeugen, elektrischen Heiz- und Kühltechnologien, industrieller Elektrifizierung und saubereren Stromversorgungssystemen. Elektrofahrzeuge sind damit kein Nischenthema mehr — sie sind explizit Kernbestandteil einer globalen Klimastrategie, die auf der höchsten politischen Ebene verankert wird. Für Fuhrparkmanager bedeutet das eine veränderte Ausgangslage: Die Elektrifizierung des Fuhrparks ist nicht mehr eine Frage des Ob, sondern des Wann und Wie. Wer jetzt plant, hat Zugang zu Fördermaßnahmen, stabilen Lieferketten und einer wachsenden Ladeinfrastruktur. Wer wartet, handelt gegen den globalen Investitionsstrom.

Sektorenkopplung als strategischer Vorteil

Das “35 bis 35”-Ziel hat eine weitere Implikation, die für gewerbliche Immobilien- und Fuhrparkverantwortliche direkt relevant ist: Elektrifizierung schafft nur dann maximalen Klimanutzen, wenn der Strom aus erneuerbaren Quellen kommt. Ein Elektrofahrzeug, das mit Kohlestrom lädt, reduziert Emissionen nur marginal. Ein Elektrofahrzeug, das mit Eigenstrom aus einer betrieblichen PV-Anlage lädt, reduziert Scope-3-Emissionen nachweisbar und dokumentierbar.

Das ist die Sektorenkopplung in der Praxis: PV-Anlage auf dem Betriebsdach, intelligentes Lademanagement im Fuhrpark, Batteriespeicher zur Überbrückung von Schwachwindzeiten — drei Komponenten, die zusammen die Elektrifizierungsquote des eigenen Betriebs maximieren und gleichzeitig die Energiekosten senken. Als DEKRA-zertifizierter Experte für Photovoltaik, Elektromobilität und Fuhrparkmanagement begleite ich genau diese Gesamtstrategie — von der PV-Planung bis zur Ladeinfrastruktur.

Kritische Einordnung: Ambition versus Umsetzungsrealität

Das “35 bis 35”-Ziel ist ein nicht verhandeltes Initiative-Ziel der COP31-Präsidentschaft — kein völkerrechtlich bindendes Abkommen. Die Geschichte der Klimakonferenzen zeigt, dass zwischen Ankündigung und Umsetzung erhebliche Lücken entstehen können. Dennoch ist die Richtung klar: Elektrifizierung wird auf der COP31 in Antalya im November 2026 das beherrschende Thema sein. Die COP31-Präsidentschaft und Australien haben die IEA beauftragt, Sonderberichte über Wege zur Erreichung des Ziels und die Vorteile der Reduzierung des Abfallwachstums zu erstellen. Für Unternehmen, die bereits handeln, ist das ein Rückenwind. Investitionen in PV-Anlagen, Ladeinfrastruktur und Energiemanagementsysteme sind keine spekulativen Wetten — sie sind die Antwort auf einen globalen Konsens, der sich gerade formiert.

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Häufige Fragen zum COP31-Elektrifizierungsziel

Was ist das “35 bis 35”-Ziel der COP31?

Das “35 bis 35”-Ziel wurde am 9. Juni 2026 von COP31-Präsident Murat Kurum bei den UN-Klimazwischenverhandlungen in Bonn vorgestellt. Es fordert, den globalen Anteil von Strom am Endenergieverbrauch von derzeit etwas über 20 Prozent auf 35 Prozent bis 2035 zu steigern. Das Ziel basiert auf einer IRENA-Analyse und ist das Flaggschiff der COP31 Action Agenda von Türkei und Australien. Es ist eine nicht verhandelte Initiativankündigung, kein völkerrechtlich bindendes Abkommen.

Welche Sektoren sind vom Elektrifizierungsziel betroffen?

Das COP31-Elektrifizierungsziel umfasst drei Hauptbereiche: Verkehr (insbesondere Elektrofahrzeuge), Gebäude (elektrische Heizung und Kühlung) und Industrie (Elektrifizierung industrieller Prozesse). Für Unternehmen mit Fahrzeugflotten sind vor allem die Anforderungen im Verkehrsbereich direkt handlungsrelevant. Die Kombination aus Elektroflotte und betrieblicher PV-Anlage ermöglicht es, alle drei Bereiche gleichzeitig anzugehen.

Warum ist dezentrale Photovoltaik der schnellste Weg zur Elektrifizierung?

Eine betriebliche PV-Anlage erzeugt Strom direkt vor Ort und verbraucht ihn dort — ohne neue Netzkapazitäten, ohne Übertragungsverluste und ohne Abhängigkeit vom Netzausbau. IRENA benennt Netzengpässe als zentrales Hindernis: Weltweit sind 2.500 Gigawatt Wind- und Solarleistung noch nicht ans Netz angeschlossen. Dezentrale Dachanlagen umgehen dieses Problem vollständig. Eigenstrom kostet 6 bis 12 ct/kWh — gegenüber 27,15 ct/kWh Gewerbestrompreis 2026.

Was bedeutet das COP31-Ziel für Fuhrparkmanager konkret?

Elektrofahrzeuge sind explizit Kernbestandteil des “35 bis 35”-Ziels. Für Fuhrparkmanager bedeutet das: Die Elektrifizierung des Fuhrparks ist politisch auf höchster Ebene verankert — Förderstrukturen, Ladeinfrastrukturausbau und Regulierung werden sich an diesem Ziel ausrichten. Wer die Flottenelektrifizierung jetzt plant, handelt mit dem globalen Investitionsstrom. Wer wartet, riskiert höhere Umrüstungskosten und schlechtere Förderbedingungen später.

Was ist Sektorenkopplung und warum ist sie für Betriebe relevant?

Sektorenkopplung bedeutet, dass verschiedene Energiebereiche — Strom, Wärme, Mobilität — miteinander verknüpft werden. Im Betriebskontext: Eine PV-Anlage erzeugt Strom, der gleichzeitig Gebäude versorgt, Elektrofahrzeuge lädt und einen Batteriespeicher befüllt. Das maximiert die Eigenverbrauchsquote, senkt Energiekosten und reduziert Scope-3-Emissionen nachweisbar. Für das ESG-Reporting ist dieser Nachweis direkt verwertbar.

Was leistet PVpilot bei der gewerblichen PV-Planung?

PVpilot ist ein KI-gestütztes Planungstool von energiefahrer.de für gewerbliche PV-Anlagen. Es berechnet Eigenverbrauchsquoten, Amortisationszeiträume und optimale Anlagenkonfigurationen auf Basis realer Verbrauchsprofile — inklusive Ladeinfrastruktur für Elektroflotten. Das Tool richtet sich an Installateure, Energieberater und Betriebsverantwortliche, die schnell und belastbar die Wirtschaftlichkeit einer gewerblichen PV-Anlage bewerten wollen. Erreichbar unter energiefahrer.de/pvpilot/.

Wann findet die COP31 statt und was ist zu erwarten?

Die COP31 findet vom 9. bis 20. November 2026 in Antalya, Türkei statt. Die Türkei ist Gastgeber, Australien leitet die Verhandlungen. Das “35 bis 35”-Elektrifizierungsziel wird das beherrschende Thema sein. Die COP31-Präsidentschaft und Australien haben die IEA beauftragt, Sonderberichte über Umsetzungspfade zu erstellen. Bis November soll eine Koalition aus Staaten, Unternehmen und weiteren Akteuren gebildet werden, die das Ziel gemeinsam verfolgt.

Harald M. Depta
Über den Autor
Harald M. Depta
Projektmanager & DEKRA-Fachdozent · energiefahrer.de
DEKRA TÜV NORD HWK BAFA

Unabhängiger Berater, Projektplaner und Fachdozent für Photovoltaik, Elektromobilität, Ladeinfrastruktur, Fuhrparkmanagement und ESG. Zertifiziert durch DEKRA, TÜV NORD, HWK und BAFA. Lehrtätigkeit für TÜV NORD und DEKRA. Inhaber von energiefahrer.de mit Sitz in Sundern im Sauerland.

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