Atomstrom Kosten: Was Strom aus neuen AKW wirklich kostet | energiefahrer.de
Stromgestehungskosten Atomkraft Solar: Das Fraunhofer ISE nennt für neue Kernkraft in Deutschland 13,6 bis 49,0 Cent pro Kilowattstunde, ohne Endlagerung, und für Photovoltaik 4,1 bis 14,4 Cent. Avenir Suisse rechnet neue Kernkraft im Basisszenario mit 172 Franken pro Megawattstunde, große Solaranlagen nach Wertkorrektur mit etwa 160. Der Jahresmarktwert Solar lag 2025 in Deutschland bei 4,508 Cent pro Kilowattstunde. Beispielrechnung für 100 Kilometer bei 20 Kilowattstunden: Eigenstrom bei 10 Cent kostet 2,00 Euro, Netzstrom bei 16,7 Cent 3,34 Euro, Diesel 10 bis 14 Euro. Der Antriebskostenvergleich rechnet eigene Werte.

Die Stromgestehungskosten von Atomkraft und Solar lassen sich nur fair vergleichen, wenn Zeitpunkt der Erzeugung, Netzkosten und Folgekosten mitzählen. Fraunhofer ISE beziffert neue Kernkraft in Deutschland auf 13,6 bis 49,0 Cent pro Kilowattstunde, Photovoltaik auf 4,1 bis 14,4 Cent. Für Unternehmen entscheidet am Ende, wie viel der eigene Strom gegenüber dem Netzbezug spart. Stand: 28.10.2026 Ein Schweizer Medienbericht fasste die Studie des Think Tanks Avenir Suisse so zusammen: Strom aus neuen Atomkraftwerken sei nicht teurer als Solarstrom. Die Studie “Die Kernfrage” erschien im Oktober 2026, vor der Abstimmung über das Neubauverbot im Februar 2027. Sie zeigt eine Methode, die auch deutsche Unternehmen nutzen können. Dieser Beitrag prüft die Zahlen, ergänzt die deutsche Datenlage und rechnet ein Beispiel für den Fuhrpark.

Stromgestehungskosten von Atomkraft und Solar: Was die Zahl aussagt und was nicht

Stromgestehungskosten sind der durchschnittliche Erzeugungspreis pro Kilowattstunde über die Lebensdauer einer Anlage. Sie verteilen Bau, Finanzierung und Betrieb auf die erzeugte Strommenge. Wann der Strom anfällt, sagen sie nicht. Ein niedriger Wert ist deshalb kein Beweis für den günstigsten Strom im Gesamtsystem. Das Fraunhofer ISE nennt in seiner Studie zu Stromgestehungskosten vom Juli 2024 folgende Werte für Deutschland:

Stromgestehungskosten in Deutschland | energiefahrer.de
  • Photovoltaik insgesamt: 4,1 bis 14,4 Cent pro Kilowattstunde
  • PV-Freiflächenanlagen: 4,1 bis 6,9 Cent
  • Kleine PV-Batteriesysteme: 9,1 bis 22,5 Cent
  • Neue Kernkraftwerke: 13,6 bis 49,0 Cent

Die Studie rechnet Endlagerung und Rückbau bei der Kernkraft nicht ein. Bei den Erneuerbaren fehlen dafür Backup, Abregelung und Netzausbau. Beide Seiten sind also unvollständig.

Wie Avenir Suisse die Kosten neuer Atomkraft rechnet

Avenir Suisse kommt im Basisszenario auf 172 Franken pro Megawattstunde für Strom aus einem neuen Kernkraftwerk. Die Studie unterstellt Baukosten von 8.000 Franken pro Kilowatt und einen realen Zins von 8 Prozent. Dazu kommen zehn Jahre Bauzeit und 85 Prozent Auslastung. Rückbau und Endlagerung rechnet sie in die variablen Kosten ein. Eine Entschädigungsregel würde Investoren gegen nachträgliche politische Eingriffe absichern. Je nach Annahme ändert sich das Ergebnis stark:

  • Basisszenario: 172 Franken pro MWh
  • Mit Entschädigungsregel gegen politische Eingriffe: 154 Franken
  • Bei 5 Prozent Zins: 114 Franken
  • Bei 10.000 Franken pro kW und 17 Jahren Bauzeit (Flamanville-Fall): 272 Franken
Szenarien im Vergleich: Atomstrom ./. Solar | energiefahrer.de

Solarstrom bewertet die Studie mit dem Wertfaktor. Er misst, welchen Anteil des Durchschnittspreises eine Technologie am Markt erzielt. In der Schweiz erzielte Solarstrom 2025 rund 58 Prozent, bei Kernkraft rechnet die Studie mit 100 Prozent. Große Solaranlagen steigen dadurch von 80 auf 138 Franken, mit Netzkosten auf etwa 160. Kleine Dachanlagen kommen auf 259 Franken. Das Ergebnis lautet daher “ähnlich teuer”, nicht “günstiger”. Das Fazit der Studie nennt es schwierig, mit neuer Kernkraft wettbewerbsfähigen Strom zu erzeugen. Der Börsenpreis lag 2025 bei rund 100 Franken. Die Studie legt selbst offen, dass ihre Annahmen unter den jüngsten Erfahrungen liegen. Flamanville 3 und Olkiluoto 3 brauchten 16 bis 17 Jahre. Die jüngsten westlichen Projekte lagen im Schnitt über 10.000 Franken pro Kilowatt.

Folgekosten: Drei Beispiele, die Schätzungen sprengen können

Endlager und Baukosten lassen sich vorab nur grob beziffern, und die Praxis zeigt große Abweichungen. Drei Beispiele machen das sichtbar. Erstens Frankreich: Das geplante Endlager Cigéo kostet laut Ministerialdekret vom März 2026 rund 33 Milliarden Euro, mit Steuern 37 Milliarden (NucNet). Zweitens Deutschland: Die Kraftwerksbetreiber zahlten 2018 rund 24 Milliarden Euro in den Fonds KENFO ein, so die Bundesgesellschaft für Endlagerung. Die Suche nach einem Endlager für hochradioaktive Abfälle läuft weiter. Drittens der Bau: Flamanville 3 und Olkiluoto 3 brauchten 16 bis 17 Jahre. Das Szenario “Flamanville” hebt die Kosten bei Avenir Suisse auf 272 Franken.

Finnland zeigt die Gegenseite. Dort erteilte die Regierung nach Medienberichten im Oktober 2026 die Betriebsgenehmigung für das Endlager Onkalo. Auch staatliche Absicherung gehört in den Vergleich. Großbritannien garantiert Hinkley Point C einen festen Strompreis für 35 Jahre, Schweden plant 40 Jahre. Das FÖS beziffert die direkte und indirekte Förderung der Atomenergie in Deutschland seit 1955 auf 287 Milliarden Euro. Die Studie entstand im Auftrag von Greenpeace Energy. Für Erneuerbare gilt derselbe Maßstab: Die Schweiz förderte Solarenergie seit 2009 mit rund 5 Milliarden Franken.

Stromgestehungskosten in Deutschland: Atomkraft und Solar im Markt

In Deutschland stellt sich die Frage nach einem Neubau nicht, denn Deutschland hat den Atomausstieg am 15. April 2023 vollzogen. Wichtig bleibt der Wertfaktor für Solarstrom. Der Jahresmarktwert Solar lag 2025 bei 4,508 Cent pro Kilowattstunde, so die Auswertung der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie. Der volumengewichtete Day-Ahead-Preis lag laut Fraunhofer ISE bei 86,55 Euro pro Megawattstunde, also 8,66 Cent. Solarstrom erzielte damit rund die Hälfte des Börsenpreises. Wer Solarstrom nur einspeist, verkauft ihn also unter dem Durchschnitt. Wer ihn selbst verbraucht, ersetzt dagegen Netzbezug. Die Zahlen gelten für Deutschland insgesamt und ersetzen keine Standortrechnung.

Eigenstrom, Netzstrom und Diesel: Die Beispielrechnung für den Fuhrpark

Eigener Solarstrom senkt die Energiekosten für 100 Kilometer auf einen Bruchteil der Dieselkosten. Die Modellrechnung nimmt 20 Kilowattstunden pro 100 Kilometer an, ohne Ladeverluste. Sie beschreibt ein Szenario und keinen Kundenfall. Der Rechenweg ist einfach: 20 Kilowattstunden mal 10 Cent ergeben 2,00 Euro, und beim Diesel multiplizieren 5 bis 6 Liter den Literpreis.

  • Eigenstrom bei 10 Cent (Annahme): 2,00 Euro
  • Netzstrom bei 30 Cent (Annahme für kleine Abnehmer): 6,00 Euro
  • Netzstrom bei 16,7 Cent (BDEW, kleine bis mittlere Industrie, Neuabschlüsse 2026): 3,34 Euro
  • Diesel, 5 bis 6 Liter bei rund 2,00 bis 2,40 Euro pro Liter: 10 bis 14 Euro

Die 10 Cent liegen im Rahmen der Fraunhofer-Werte, denn große Dachanlagen kommen auf 5,7 bis 12,0 Cent. Haushalte zahlten 2026 laut BDEW durchschnittlich 37,0 Cent. Der Vorteil pro Kilowattstunde hängt also stark vom Abnehmer ab: Bei günstigem Industriestrom schrumpft er auf etwa 6,7 Cent. Die Dieselspanne stützt sich auf ADAC-Tagesdurchschnitte aus dem Jahr 2026, die meist zwischen 2,00 und 2,40 Euro lagen. Eigene Werte rechnet der Antriebskostenvergleich von energiefahrer.de. Er trennt Heimladen, öffentliches Laden und Solarstrom.

Antriebskostenvergleich | energiefahrer.de

Einordnung aus der Praxis

Ich halte das Bild vom günstigen Atomstrom für einen Mythos. Zur Rechnung gehören für mich die Folgekosten, etwa für ein Endlager. Wer Subventionen für erneuerbare Energien vergleicht, darf auch fragen, wie viel Subvention in fossile Energie und Atomkraft fließt. Ich gehe davon aus, dass Atomkraft ohne Subventionen nicht mehr auskommt. Mir geht es um Aufklärung: Was kostet Strom tatsächlich in der Entstehung?

Die Vergleiche mit zehn Cent Eigenstrom, Netzstrom und Diesel halte ich für real und für den Kern dieser Aufklärung. Für die Strompreisplanung gilt aus meiner Sicht: Unternehmen sollten mindestens verstärkt auf erneuerbare Energien setzen, gerade bei der Elektrifizierung. Denn ich erwarte, dass fossile Energien teurer werden. Wer Solarstrom optimiert nutzt oder Lasten verschiebt, etwa beim Laden des E-Autos, senkt seine Energiekosten. Eigenerzeugung für den Eigenbedarf bleibt aus meiner Sicht günstiger, im Gebäude, bei der Elektromobilität, beim Heizen und bei der Klimatisierung. Der Vergleich zwischen Eigenstrom und Netzstrom gehört deshalb in jede Strompreisplanung.

Fazit: Vollständig rechnen, dann entscheiden

Ein fairer Vergleich rechnet Gestehungskosten, Wertfaktor, Netzkosten und Folgekosten zusammen. Avenir Suisse sieht neue Kernkraft im Basisszenario bei 172 Franken pro MWh, ähnlich wie große Solaranlagen nach Wertkorrektur. Das Fraunhofer ISE nennt für Deutschland 13,6 bis 49,0 Cent bei neuer Kernkraft, ohne Endlagerung. Für Unternehmen zählt die Beispielrechnung: Eigenstrom kostet in der Annahme 2,00 Euro pro 100 Kilometer, Diesel 10 bis 14 Euro. Wer den Eigenstrom-Vorteil für den eigenen Betrieb beziffern will, braucht Lastprofil, Dachfläche und Ladezeiten der Fahrzeuge.

energiefahrer.de prüft diese Daten unabhängig und rechnet die Wirtschaftlichkeit durch, siehe Photovoltaik-Planung und Wirtschaftlichkeitsprüfung für Unternehmen. Die Antriebskosten des eigenen Fuhrparks lassen sich vorab im Antriebskostenvergleich berechnen.

Weiterführende Beiträge:
Energiewende: Photovoltaik günstiger als fossile Kraftwerke
Elektroauto Energiekosten: Immer günstiger als Verbrenner
Photovoltaik 2026: Einspeisevergütung und Eigenverbrauch

Häufige Fragen zu Stromgestehungskosten bei Atomkraft und Solar

Was sind Stromgestehungskosten?

Stromgestehungskosten sind der durchschnittliche Erzeugungspreis pro Kilowattstunde über die Lebensdauer einer Anlage. Sie verteilen Bau, Finanzierung und Betrieb auf die erzeugte Strommenge. Sie sagen nicht, wann der Strom anfällt.

Wie hoch sind die Stromgestehungskosten neuer Kernkraftwerke in Deutschland?

Das Fraunhofer ISE nennt in seiner Studie vom Juli 2024 für neue Kernkraftwerke 13,6 bis 49,0 Cent pro Kilowattstunde. Endlagerung und Rückbau sind darin nicht eingerechnet.

Wie hoch sind die Stromgestehungskosten von Photovoltaik in Deutschland?

Laut Fraunhofer ISE liegen sie für Photovoltaik zwischen 4,1 und 14,4 Cent pro Kilowattstunde. PV-Freiflächenanlagen erreichen 4,1 bis 6,9 Cent, kleine PV-Batteriesysteme 9,1 bis 22,5 Cent.

Was ist der Wertfaktor bei Solarstrom?

Der Wertfaktor misst, welchen Anteil des durchschnittlichen Börsenpreises eine Technologie erzielt. Avenir Suisse nennt für Solarstrom in der Schweiz 2025 rund 58 Prozent. In Deutschland lag der Jahresmarktwert Solar 2025 bei 4,508 Cent pro Kilowattstunde, etwa der Hälfte des Börsenpreises.

Wie teuer ist Strom aus neuen Kernkraftwerken laut Avenir Suisse?

Das Basisszenario nennt 172 Franken pro Megawattstunde. Je nach Annahme liegt der Wert zwischen 114 Franken bei 5 Prozent Zins und 272 Franken im Flamanville-Fall mit 17 Jahren Bauzeit.

Was kostet das Endlager Cigéo in Frankreich?

Laut Ministerialdekret vom März 2026 kostet das geplante Endlager Cigéo rund 33 Milliarden Euro, mit Steuern 37 Milliarden Euro. Diese Angabe stammt von NucNet.

Wer bezahlt die Endlagerung in Deutschland?

Die Kraftwerksbetreiber zahlten 2018 rund 24 Milliarden Euro in den Fonds KENFO ein, so die Bundesgesellschaft für Endlagerung. Die Suche nach einem Endlager für hochradioaktive Abfälle läuft weiter.

Wann hat Deutschland den Atomausstieg vollzogen?

Deutschland hat den Atomausstieg am 15. April 2023 vollzogen. An diesem Tag gingen die verbleibenden drei Atomkraftwerke vom Netz.

Was kosten 100 Kilometer mit Eigenstrom, Netzstrom und Diesel?

In der Modellrechnung mit 20 Kilowattstunden pro 100 Kilometer kostet Eigenstrom bei 10 Cent 2,00 Euro. Netzstrom bei 30 Cent kostet 6,00 Euro, bei 16,7 Cent 3,34 Euro. Diesel mit 5 bis 6 Litern kostet bei 2,00 bis 2,40 Euro pro Liter 10 bis 14 Euro.

Wie hoch ist der Strompreis für Unternehmen und Haushalte 2026?

Laut BDEW zahlten kleine bis mittlere Industriebetriebe bei Neuabschlüssen 2026 durchschnittlich 16,7 Cent pro Kilowattstunde. Haushalte zahlten durchschnittlich 37,0 Cent.

Gibt es staatliche Absicherung für neue Kernkraftwerke?

Großbritannien garantiert Hinkley Point C einen festen Strompreis für 35 Jahre, Schweden plant Preisgarantien über 40 Jahre. Das nennt Avenir Suisse in seiner Studie.

Wo kann ich die Antriebskosten meines Fuhrparks berechnen?

Der Antriebskostenvergleich von energiefahrer.de vergleicht Elektro, Diesel, Benzin, Plug-in-Hybrid und Wasserstoff. Er ist kostenfrei, ohne Anmeldung nutzbar und trennt Heimladen, öffentliches Laden und Solarstrom.

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Autor & Herausgeber
Harald M. Depta
Unabhängiger Berater · DEKRA-Bildungspartner · Fachdozent
DEKRA-zertifiziertTÜV-zertifiziert250+ Projekte

Harald M. Depta begleitet Unternehmen bei Photovoltaik, Elektromobilität und Fuhrparkmanagement. Als DEKRA-Bildungspartner verbindet er Praxis und Weiterbildung markenunabhängig.

Dieser Beitrag wurde teilweise mit Unterstützung von KI-Tools erstellt sowie von Harald M. Depta fachlich geprüft und freigegeben. Keine Rechts- oder Steuerberatung durch energiefahrer.de.

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